Mythos Gebirgsluft Das lukrative Geschäft mit Lungenkranken

Der Kanton Graubünden gilt europaweit als Sanatorium für Lungenkranke. In seiner Dissertation mit dem Titel «Der Traum von Heilung» räumt der Historiker Christian Schürer mit Mythen auf und beleuchtet auch das lukrative Geschäft mit der Höhenkur.

Noch vor 100 Jahren war Tuberkulose die häufigste krankheitsbedingte Todesursache. Damals hatte sich die Auffassung durchgesetzt, dass die Behandlung im Höhenklima die Lungentuberkulose heilt.

Nun räumt Christian Schürer auf mit diesem Mythos. «Man hat nie einen Heilfaktor gefunden, welcher beweisen und belegen kann, dass das Höhenklima heilen kann», sagt der Historiker.

«  Man hat nie einen Heilfaktor gefunden, welcher beweisen und belegen kann, dass das Höhenklima heilen kann »

Christian Schürer
Historiker

Warum aber hat sich der Mythos so lange gehalten? Der Historiker sagt dazu: «Es gab damals keine Medikamente gegen die Krankheit. Es herrschte eine therapeutische Ratlosigkeit. In diesem Umfeld war die Therapie in der Höhenluft ein sehr attraktives Mittel».

Die Erfolge sind laut Christian Schürer auf andere Faktoren zurückzuführen: «In den Alpen hatten die Lungenkranken Ruhe, sie bekamen gutes Essen und sie mussten nicht mehr die schlechte Luft der Städte einatmen»

Ausgehend von Thomas Manns «Zauberberg» zeichnet Christian Schürer nach, wie der Glaube an die heilsame Wirkung der Alpenluft hoch gelegene Orte in der Schweiz zu weltberühmten Kurorten machte und wie sich die Suche nach dem Heilfaktor für die angenommene therapeutische Wirkung des Höhenklimas gestaltete.

Zur Person

Christian Schürer hat an der Universität Zürich Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Deutsche Literatur studiert. Sein Buch «Der Traum von Heilung. Eine Geschichte der Höhenkur zur Behandlung der Lungentuberkulose» hat er als Dissertation an der Universität Zürich verfasst. Seit 2005 ist er als Redaktor bei SRF tätig.