Neue Strategie-Rezepte für die Bündner Tourismusbranche

Das Wirtschaftsforum Graubünden formuliert in einem Strategiepapier Denkanstösse für den Bündner Tourismus. Dabei stützen sich die Studienmacher auf neues Zahlenmaterial.

Der 35-seitige Bericht mit dem Titel «Strategien für Bündner Tourismusorte» ist Teil einer mehrteiligen Studie. Ziel sei es, die «dringend notwendige Diskussion» anzustossen, wie sich die Tourismusbranche weiterentwickeln könne, heisst es im Vorwort. Dafür haben die Studienmacher des Wirtschaftsforums Graubünden, das von Kanton, Verbänden und Unternehmen finanziert wird, Zahlen analysiert und Ideen entwickelt.

Zwei zentrale Aussagen (siehe Grafiken) sind:

  • Das Potenzial des Sommergeschäfts wird überschätzt. In den vergangenen 20 Jahren halbierte sich die Zahl der Logiernächte im Bereich Ferien. Das heisst, deutlich weniger Touristen kommen für eine Woche oder länger nach Graubünden. Beliebt sind dafür verlängerte Wochenende (Kurzaufenthalte).
  • Es hat viele Betriebe in Graubünden, die zu wenig rentieren. Laut dem Wirtschaftsforum wäre die Auslastung der einzelnen Hotels deutlich besser, wenn es nur noch die Hälfte der Betriebe geben würde.

Der Bericht formuliert drei Strategiefelder:

  • Touristen kommen nur nach Graubünden für längere Ferien, wenn diese preislich konkurrenzfähig sind mit anderen Angeboten im Ausland. Erfolgsversprechend seien in diesem Zusammenhang Feriendörfer, aber auch Angebote aus einer Hand; wenn also zum Beispiel die Bergbahn gleichzeitig auch noch das Hotel und die Skischule betreibt.
  • Für Kurzaufenthalte ist es zentral, «intelligente» Produkte zu haben. Als Beispiel führt Peder Plaz, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums, Veloferien an. Es sei nicht attraktiv, mit einem Velowegnetz von 500 Kilometern zu werben. Zielführender seien Angebote, die vergleichbar sind mit einem Produkt wie beispielsweise dem Donauradweg. Hier könnten sich die Leute etwas vorstellen.
  • Wichtig sei auch, dass die Ferienorte attraktiv für Ferienwohnungsbesitzer bleiben. Hier hat das Wirtschaftsforum bereits in einem früheren Bericht vorgeschlagen, die Finanzierung der Bergbahnen zu überdenken.