Zum Inhalt springen

Graubünden Wer ist Chef im Wald: Wolf oder Jäger?

Über ein Jahrhundert lang waren die Bündner Jäger allein im Wald. Nun bekommen sie Konkurrenz von Wolf und Bär. Das passt dem Bündner Ständerat Stefan Engler (CVP) nicht. Er fordert: Wolfsrudel sollen reguliert werden, wenn sie den Jägern die Beute streitig machen.

Die Situation ist neu. Seit 2012 wohnt am Churer Hausberg Calanda ein Wolfsrudel. Die Grossraubtiere sind eine Herausforderung für die Bevölkerung und ein Problem für die Bauern, die Herdenschutzhunde brauchen. Und: Die Wölfe konkurrieren auch die Jagd.

Sollen einzelne Wölfe eines Rudels abgeschossen werden können, wenn sie neben der Landwirtschaft auch die Interessen der Jagd verletzen? Der Ständerat diskutiert am Donnerstag über eine diesbezügliche Motion (siehe rechts) des Bündner CVP-Ständerats und Jägers Stefan Engler.

Das Streitgespräch

Noch einig waren sich Engler und Mazzetta bezüglich der Frage, wieso es aktuell die Jagd braucht. Die Jäger und Jägerinnen seien dafür zuständig, die Wildpopulation zu regulieren, damit sich diese nicht zu stark vermehre. Für den Jäger Stefan Engler ist die Jagd auch Teil der Bündner Kultur.

Dann gingen die Meinungen auseinander: Für den CVP-Ständerat gibt es ein Recht des Jägers auf seine Beute. Es sei notwendig, die Interessen der Jagd zu schützen. Die rote Linie wäre für Engler überschritten, wenn man in einem Gebiet nicht mehr jagen kann. «Das Wild in den Wäldern gehört nicht einfach dem Wolf», unterstreicht der Politiker.

Das Wild gehört nicht einfach dem Wolf.
Autor: Stefan EnglerBündner Ständerat (CVP)

Dem widerspricht Anita Mazzetta vom WWF Graubünden. Es könne nicht Sinn sein, die Jagd im Interesse der Jäger zu führen, damit diese weiterhin Tiere abschiessen könne. Hier fehle jegliches wildbiologisches Argument. «Damit würde man sich von den Kriterien entfernen, die man heute für die Jagd definiert hat», argumentiert die WW-Geschäftsführerin. Jagd sei nur dort nötig, wo nicht Wolf und Bär die Bestände regulierten.

Die Jäger haben kein Recht auf Beute.
Autor: Anita MazzettaGeschäftsführerin WWF Graubünden

Wem gehört das Wild? Welches Recht haben die Jäger und Jägerinnen, welches die Wölfe? Die Meinungen gehen auseinander. Die Frage dürfte auf der politischen Ebene zum ersten Mal überhaupt am kommenden Donnerstag im Ständerat diskutiert werden. Zur Debatte steht die Motion des Bündner Ständerats Stefan Engler mit dem Titel «Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung».

SRF 1; Regionaljournal Graubünden 17:30 Uhr.

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von E.Wagner, Zug
    Rottet alle Tiere aus. Dann ist der Mensch allein auf dieser Erde und gefordert sich zu besinnen wer zuerst da war Mensch oder Tier! Ganz klar für WWF Mazzetta die Tiere im Wald gehören nicht dem Jäger.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Wernher GERHARDS, Fabrikstrasse 29, D - 01662 Meißen
    Frau Mazetta behauptet sie ist für den < Wolf >, aber ohne dabei zu wissen, dass in der Schweiz nahezu alle 39 Wolfsrassen willkommen sind. d.h. Frau Mazetta heisst dort auch den weißen Polarwolf in der Schweiz willkommen. Mischlingswölfe weiß sie wohl auch noch nicht aus dem internationalen Völkerrechtsvertrag von Rio 1992 als invasives Neozön zu unterscheiden ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    « Die Jäger haben kein Recht auf Beute. » - Das sehe ich auch so. Ich möchte gerne wissen, warum die Jäger und Jägerinnen glauben, ein Recht auf Beute zu haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen