Zum Inhalt springen

Ostschweiz Arsen sickert seit Jahren in den Bodensee

Vom Bahnhofsgelände Lindau fliesst mit Arsen und Schwermetall verseuchtes Wasser in den Bodensee. Solange der Bahnhof nicht saniert und aufs Festland verlegt wird, bleibt dies so. Für den grössten Trinkwasserspeicher Europas besteht allerdings keine Gefahr.

Legende: Video Verseuchtes Grundwasser im Bodensee abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.05.2014.

Der Lindauer Bahnhof liegt auf der Insel und somit direkt am Bodensee. Er wurde 1853 gebaut. Sobald der Bahnhof auf das Festland gezügelt wird, soll das Areal auf der Insel umfassend saniert werden. Dies dürfte aber noch Jahre dauern. Bis dahin gelangt weiterhin verschmutzes Wasser in den Bodensee.

Rückstände aus den Schlacken von Dampfloks

Doch woher kommt es? Als die Bahn noch von Dampflokomotiven gezogen wurden, entsorgten die Bähnler die Schlacken aus den Kesseln der Dampfloks auf dem Bahnhofareal. Bis anhin ging man davon aus, dass die giftigen Inhaltsstoffe – dazu gehören Arsen, Schwermetalle und die krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe – nicht mobil sind. So steht es auch in einem Gutachten aus dem Jahr 2009.

Nun zeigten bahninterne Gutachten, dass die Schadstoffe trotzdem ins Grundwasser sickern und so in den Bodensee gelangen, heisst es in einem Bericht des Bayrische Rundfunks. So habe man bei einem Grundwassermonitoring beispielsweise 73 Mikrogramm Arsen pro Liter gemessen – der Grenzwert liege aber bei 40 Mikrogramm pro Liter.

Keine Gefahr

Trotzdem ist das kein Problem, sagen Experten. Zwar haben Schwermetalle im Bodensee nichts zu suchen, da sind sich alle einig. Der Wert zeige aber lediglich an, dass das Areal auf dem Bahnhof Lindau saniert werden müsse – was geplant ist. «Auch für die Menschen besteht keine Gefahr. Das Wasser kann bedenkenlos getrunken werden», so Martin Eugster vom Thurgauer Amt für Umwelt. Die Wasseranalytik des Wasser-Zweckverbandes bestätigt zudem in einer Messung aus dem Jahr 2012, dass Arsen im Lindauer Trinkwasser nicht nachgewiesen werden kann.

Luftansicht auf die Stadt Lindau am Bodensee
Legende: Der Bahnhof liegt auf der Insel Lindau und von ihm aus sickert Arsen in den Bodensee. Lindau Tourismus

Auch das Landratsamt Lindau hat Wasserproben genommen und auf 42 verschiedene Schadstoffe untersucht. Fazit: Alle Grenzwerte werden eingehalten. Da die Schadstoffe zudem im Bodenseewasser hoch verdünnt würden, seien sie «wasserwirtschaftlich nicht relevant», heisst es in einer Stellungnahme.

Das Element Arsen

Das chemische Element Arsen kommt im Boden fast überall vor. Seine Salze wurden früher als Farben und für Medikamente eingesetzt, heute wird Arsen nur noch als Halbleiter-Material in der Elektrotechnik verwendet.

Arsensalze sind giftig – vor allem Salze wie Arsenik stören die biochemischen Prozesse und den zellulären Energiestoffwechsel.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.