Atomendlager im Zürcher Weinland: Kaum Widerstand im Thurgau

In der Nähe der Grenze des Kantons Thurgau könnte ein Atomendlager entstehen. Die Nagra hat am Dienstag ein Gesuch für Probebohrungen eingereicht. Während im Kanton Zürich der Widerstand im Verein «Klar! Schweiz» organisiert ist, findet man im Kanton Thurgau keinen organisierten Widerstand.

Demo gegen Nagra

Bildlegende: Der Alt-Thurgauer Regierungsrat Schläpfer wird von Demonstranten des Vereins «Klar! Schweiz» empfangen (8.9.2010). Keystone

Die Thurgauer Regierung sieht es pragmatisch. Das wichtigste sei, dass man den sichersten Ort für ein Atomendlager finde. Und wenn der in der Region Zürich Nordost sei, dann sei er dort, sagt die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. Da kann die Vizepräsidentin des Vereins «Klar! Schweiz» nur den Kopf schütteln. Der Verein setzt sich seit Jahren gegen ein Atomendlager im Zürcher Weinland ein.

«  Es wird Zeit, dass der Thurgau erwacht. »

Käthi Furrer
Vizepräsidentin «Klar! Schweiz»

Schon lange versuche man die umliegenden Kantone mit einzubinden, denn das Endlager sei nur einen Steinwurf von der Thurgauer Kantonsgrenze entfernt.

Kein organisierter Widerstand

Doch einen organisierten Widerstand sucht man vergeblich im Kanton Thurgau. Auf Nachfrage beim Grünen Kantonsrat Toni Kappeler ist er der Meinung, dass einerseits die zeitliche und andererseits die geografische Komponente eine Rolle spiele.

Die Nagra suche schon seit Jahrzehnten einen Standort und deshalb nehme man die Suche zu wenig ernst im Kanton Thurgau. Und geografisch sei der Standort zu weit vom Kanton Thurgau entfernt, mutmasst der Kantonsrat der Grünen. Und man wolle sich bei den Thurgauer Grünen vielmehr auf den Atomausstieg konzentrieren. Natürlich sei der Umgang mit Abfall wichtig, aber noch wichtiger sei, dass gar kein Abfall produziert werde.