Der Erste Weltkrieg hat auch die Bodenseeregion verändert

Im Sommer 1914 begann mit dem Ersten Weltkrieg in der Bodenseeregion eine Entwicklung, die den einst intakten, gemeinsamen Lebensraum nachhaltig beeinflusste. Nachbarn entfremdeten sich zunehmend.

Die Grenze bei Konstanz im Jahr 1932

Bildlegende: Die Grenze bei Konstanz im Jahr 1932 zvg

Die deutsch-schweizer Grenze markiert heute unterschiedliche Wirtschafts- und Sprachräume. Bis 1914 war das anders: Damals galt Konstanz mit seiner reichen Geschichte als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum und war die «heimliche Hauptstadt» des Thurgaus.

Heiraten über die Landesgrenze

Vor dem Ersten Weltkrieg belieferten Thurgauer Bauern die Stadt Konstanz mit landwirtschaftlichen Produkten. Thurgauer gehörten deutschen Vereinen an. Es wurde über die Grenze hinaus gearbeitet, gelebt und geheiratet und die Leute sprachen ähnliche, auf den allemannischen Wurzeln basierende Dialekte.

Der Kriegsausbruch veränderte alles

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 wurde die Grenze erstmals geschlossen. Damit wurde vieles, was bis dahin selbstverständlich war, unmöglich. Eine Entfremdung nahm ihren Anfang, die sich auch nach Kriegsende nicht mehr rückgängig machen liess.

Tiefpunkt im Zweiten Weltkrieg

Der zunehmenden Nationalismus und die Machtergreifung der Nazis 1933 vertieften den Graben weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich viele Ostflüchtlinge am Bodensee an und veränderten Sprache und Mentalität weiter. Trotz gewissen Annäherungen in den vergangenen Jahrzehnten ist der gemeinsame Kultur- und Wirtschaftsraum, wie er vor hundert Jahren noch bestand, heute Geschichte.