Glarner Pflegeheime Es fehlen ausgebildete Pflegefachkräfte

Zwischen den jüngst bekannt gewordenen Missständen in zwei Glarner Pflegeeinrichtungen und der Anzahl der Pflegefachpersonen bestehe ein Zusammenhang, meint die Gewerkschaft VPOD. Auch der Heimverband Curaviva sieht Handlungsbedarf.

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Bildlegende: Wenn zu wenig Fachpersonal im Einsatz ist, kann es zur Überforderung kommen. Symbolbild Keystone

Die Fakten: Im Kanton Glarus stehen pro 1000 Pflegetage 0,6 qualifizierte Pflegefachpersonen zur Verfügung. Das ist schweizweit der tiefste Wert (zusammen mit Appenzell Innerrhoden), wie die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit von 2014 zeigen. Zudem sind die Löhne der Pflegefachpersonen im Vergleich mit den umliegenden Kantonen tiefer.

Die Einschätzung: Direkt habe das nichts mit den Missständen der jüngeren Vergangenheit zu tun, sind sich der Heimverband Curaviva und die Gewerkschaft VPOD einig. VPOD-Vertreter Thomas Hensel sieht allerdings einen «inneren Zusammenhang». Mit mehr Pflegefachleuten könnte man auch eine höhere Qualität sicherstellen.

Die Forderungen: Hensel fordert, dass der Kanton Richtlinien festlegt, um die Anzahl der Pflegefachleute zu erhöhen. Um diese Fachleute in den Kanton zu holen, müsse man bei den Löhnen etwas unternehmen. Markus Rusterholz von Curaviva Glarus fordert, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden, um genügend Fachleute rekrutieren zu können. Der Verband sei im Gespräch mit dem Kanton und den Gemeinden.

Die Reaktion der Regierung: Die zuständige Glarner Regierungsrätin Marianne Lienhard betont, dass der Kanton nur beschränkt Einfluss nehmen könne. Zudem seien die Löhne im Kanton Glarus allgemein tiefer als in den umliegenden Kantonen. Dazu kommt, dass die Glarnerinnen und Glarner früher in ein Heim eintreten und damit auf einer tieferen Pflegestufe sind als in anderen Kantonen. Pro Person braucht es darum weniger Personal. In diesem Bereich laufe auch ein Projekt nach dem Grundsatz ambulant vor stationär, um die Heime künftig entlasten zu können.