Gelber Riese sorgt für rote Köpfe

Der Kanton Thurgau fürchtet, dass die Post weitere Filialen im Kanton schliesst und fordert einen Marschhalt. Anders tönt es bei der Regierung in St. Gallen.

Poststelle in Erlen

Bildlegende: Die Kunden in Erlen wollen ihre Poststelle behalten. SRF

Beim Abbau des herkömmlichen Poststellennetzes ist auch der Kanton St. Gallen nicht verschont geblieben. «Auch bei uns wurden Filialen geschlossen», sagt Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth. Kritik an diesem Vorgehen der Post übt er indes keine: «Das Kundenverhalten hat sich verändert, da braucht es Anpassungen», sagt Würth in der Sendung «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF. Ausserdem bestehe mit den Agenturlösungen der Post noch heute ein gutes Angebot.

Anders tönt es im Nachbarkanton Thurgau. Dort fordert Regierungsrat Kaspar Schläpfer einen Marschhalt: Er will beim Bundesrat intervenieren, dass die Post im Kanton keine weiteren Filialen schliesst.

Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, rechtfertigt die Strategie. Die Abwicklung übers Internet werde stets wichtiger, so dass die Poststellen an Bedeutung verlieren. Innerhalb von den letzten fünfzehn Jahren ist die Briefpost um 67 Prozent, die Paketpost um 43 Prozent und die Einzahlungen um 34 Prozent zurückgegangen.

Mittelgrosse Dörfer müssen um ihre Post bangen

Gefährdet sind längerfristig nicht nur Poststellen in Weilern. Auch Poststellen in mittelgrossen Dörfern mit mehreren tausend Einwohnern sind auf dem Prüfstand. So zum Beispiel Erlen. Ein Blick vor Ort zeigt: Die Post ist gut frequentiert und die Kunden schätzen die Dienstleistungen am Schalter. Von einer Postagentur wollen die Kunden nichts wissen, zu gross seien die Nachteile. So könne man in einer Postagentur keine Bargeldeinzahlungen machen, kritisieren die befragten Personen. Ausserdem schätzen sie den direkten Kontakt mit dem Postbeamten.