Mehr Engagement für syrische Flüchtlinge gefordert

Der Kanton St.Gallen will 60 syrische Flüchtlinge aus einem UNHCR-Programm aufnehmen. Nach den Sommerferien sollen die ersten Familien eintreffen. Bis Ende 2015 sollen insgesamt 500 Syrer in der Schweiz Zuflucht finden. Viel zu wenig, sagt die Schweizer Flüchtlingshilfe.

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St. Gallen nimmt 60 syrische Flüchtlinge auf

1:44 min, aus Tagesschau vom 3.7.2014

Seit drei Jahren herrscht in Syrien Krieg. Täglich versuchen Tausende über den gefährlichen Weg übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im vergangenen September hat der Bundesrat deshalb die Aufnahme von 500 besonders verletzlichen Flüchtlingen vor allem aus Syrien beschlossen.

Nach Uri und Solothurn nimmt nun auch der Kanton St. Gallen Flüchtlinge aus Syrien auf – insgesamt 60 Menschen. Erklärtes Ziel sei es, die Menschen im Kanton zu integrieren, sagte der St.Galler Regierungsrat Fredy Fässler an einer Medienorientierung. Die erste Flüchtlingsgruppe soll nach den Sommerferien eintreffen.

Ausgewählt wurden notleidende und traumatisierte Familien. Sie werden zuerst in leerstehenden Räumlichkeiten des ehemaligen Internats Marienburg in Thal untergebracht und dort auch betreut.

5000 statt nur 500

Ein spezielles Expertenteam wird die Flüchtlinge vor Ort medizinisch, psychologisch, sozial und schulisch betreuen. Fässler verwies auf die Erfahrungen des Traumazentrums Gravita in St.Gallen. Geplant ist unter anderem Schulunterricht für die Kinder. Später sollen die Familien auf die Gemeinden verteilt werden. Nach dieser ersten Gruppe will der Kanton St.Gallen nochmals 60 Flüchtlinge aufnehmen.

Für die Schweizer Flüchtlingshilfe ist das eindeutig zu wenig. Laut UNO haben seit Kriegsausbruch rund 2,8 Millionen Syrer das Land verlassen. Geschätzte 6 Millionen sind Binnenflüchtlinge. Angesichts der humanitären Katastrophe sollte die Schweiz deutlich mehr für die Flüchtlinge tun. Statt der insgesamt 500 Flüchtlinge müsste die Schweiz mindestens 5000 Menschen aus Syrien aufnehmen, fordert Beat Meiner, Generalsekretär der Flüchtlingshilfe, in der «Tagesschau».

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Flüchtlinge aus Italien werden oft nicht registriert

    Aus Tagesschau vom 3.7.2014

    Seit Anfang des Jahres sind etwa 60 000 Bootsflüchtlinge an der Italienischen Küste gelandet. Laut Dublin-Abkommen müssen sie bei ihrer Ankunft mit Fingerabdruck registriert werden, damit sie nicht in verschiedenen Ländern einen Asylantrag stellen. Doch das Abkommen wird von den Italienern systematisch ausgehebelt.