Mehr Tests in Thurgauer Psychiatrie als angenommen

Die Medikamentenversuche in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen TG ab den 1950er-Jahren haben ein grösseres Ausmass als erwartet. Zu diesem Zwischenresultat kommt ein Forscherteam um Historikerin Marietta Meier, das die Vorgänge untersucht.

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Bildlegende: Eine Forschungsgruppe klärt die Geschichte von Medikamentenversuchen in der Klinik Münsterlingen. Keystone (Symbolbild)

«Es waren erstens mehr Patienten betroffen, es wurden zweitens mehr Substanzen getestet, und drittens ist auch der Zeitraum der Medikamentenversuche länger», sagte die Studienleiterin in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» und dem «Bund» vom Montag.

Versuche auch nach Pensionierung

Für die Versuche verantwortlich war der damalige Direktor der Klinik, Roland Kuhn (1912-2005). Er soll zusammen mit seinem Oberarzt Patienten mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt haben. «Er trat 1980 als Klinikdirektor zurück, führte die Versuche jedoch auch nach seinem Rücktritt weiter», sagte Meier.

Die Staatskanzlei teilte im vergangenen Dezember mit, der Kanton habe einen Forschungsauftrag vergeben, der die klinische Psychopharmaka-Forschung in der Klinik in Münsterlingen und die Verantwortlichkeit der vorgesetzten Behörden und der pharmazeutischen Industrie beleuchten soll.