Sozialhilfe: Die Angst vor dem Dominoeffekt

Einzelne Gemeinden im Kanton St. Gallen haben ihre Sozialhilfe gekürzt. Nun besteht die Gefahr, dass andere Gemeinden mitziehen und eine Negativ-Spirale entsteht. Die Folgen wären für Zentren wie die Stadt St. Gallen fatal. Denn die Sozialhilfebezüger würden sich vermehrt hier niederlassen.

Patrik Müller

Bildlegende: Patrik Müller im Studio des Regionaljournal Ostschweiz. SRF

In der Stadt St. Gallen leben heute schon viele Sozialhilfebezüger. Die Stadt sei attraktiv, weil sie für Sozialhilfebezüger die Hoffnung auf Arbeit verspreche, sagt der Leiter des städtischen Sozialamtes Patrik Müller. «Zudem kann man in der Stadt anonym leben. Das ist für viele Bezüger wichtig. In einem Dorf weiss jeder, wenn man Sozialhilfe beziehen muss.»

Sozialhilfebezüger rausekeln

Der Druck auf die Stadt könnte sich aber noch erhöhen. Dies deshalb, weil einzelne Gemeinden ihre Sozialhilfe aus Spargründen zu kürzen beginnen. «Vor dieser Entwicklung haben wir Angst», sagt Patrik Müller. Denn damit könnte ein zusätzlicher Anreiz für Sozialhilfebezüger entstehen, in die Stadt zu ziehen.

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Angriff auf die Sozialhilfe

12 min, aus Rundschau vom 17.9.2014

Die Auswirkungen des Spardrucks spüre man seit einiger Zeit. «Gossau beispielsweise hat beschlossen, 150 000 Franken bei den Sozialkosten zu sparen.» Andere Gemeinden hätten es offenbar darauf angelegt, den Aufenthalt für Sozialhilfebezüger möglichst unattraktiv zu machen und sie zum Wegzug zu bewegen.

Ein politischer Vorstoss im St. Galler Kantonsrat möchte einen negativen Dominoeffekt bei den Sozialhilfeleistungen vermeiden. Das Ziel: Es müsse verhindert werden, dass Gemeinde um Gemeinde ihre Sozialhilfebeiträge zu kürzen beginne und damit eine Spirale nach unten in Gang gesetzt werde.