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Spitäler St. Gallen Macht die Demokratie das Gesundheitswesen krank?

Den St. Galler Spitalverbunden droht ein strukturelles Defizit von jährlich 70 Millionen Franken. Deshalb macht der Verwaltungsrat einen Vorschlag. Nur noch die Spitäler St. Gallen, Grabs, Linth (Uznach) und Wil sollen bestehen bleiben. Die anderen Spitäler sollen zu Gesundheitszentren umfunktioniert werden, also Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach. Der Gesundheitsökonom Bernhard Güntert analysiert den Vorschlag, spricht über Demokratie und Gesundheitspoliztik und über den «Kantönligeist».

SRF News: Geht dieser Vorschlag in die richtige Richtung?

Bernhard Güntert: Eine massive Reduktion, eine Halbierung ist angebracht. Die Spitalstruktur, wie wir sie heute haben, kommt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals wurden die Spitäler gebaut. In der Zwischenzeit hat sich die Medizin geändert, die Mobilität, das Rettungswesen. Damals musste die Medizin zu den Leuten und konnte nicht nur in grösseren Städten sein.

Ich war überrascht, dass man 2014 entschieden hat, überhaupt alle neun Spitäler zu behalten. Damit zementierte man eine Struktur für die nächsten 30 Jahre.

Wie viel Demokratie verträgt das Gesundheitswesen?

Es ist wichtig eine Versorgung zu haben für alle. Wie diese Versorgung verteilt ist, wo sie ist, sollte keine Rolle spielen. Natürlich wollen alle das Spital vor dem Haus, aber das ist nicht machbar. Soll die Versorgung öffentlich oder privat sichergestellt werden? Wie hoch soll der Versorgungsgrad sein und wo muss man mit den Universitätsspitälern zusammenarbeiten? Das sind Grundsatzfragen. Aber wie dies nachher gelöst wird, das kann der Stimmbürger nicht mehr beurteilen.

Eine Spitalplanung ist ein langwieriger Prozess und jetzt hat der Prozess die aktuelle Situation überrollt.

Fünf der neun Spitäler sollen in Gesundheitszentren umgewandelt werden. Kostet eine Nacht im Spital so viel?

Was die hohen Kosten verursacht, ist die Infrastruktur. Wenn sie überall das gesamte Angebot haben wollen, dann müssen sie die Operationsaale haben, die Teams und so weiter. Das sind teure Einheiten. Diese versucht man zu reduzieren. Die Kleinspitäler können die Fixkosten anders nicht verteilen. Sie können aber nicht ein Angebot streichen, ohne Ersatz. Ein Abbau auf der einen Seite, bedeutet auf der anderen Seite auszubauen, in diesem Falle das ambulante Angebot. Zudem müssen die Ärzte besser vernetzt werden.

Zur Person:

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Bernhard Güntert studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Seine Doktorarbeit schrieb er ebenfalls in St. Gallen zum Thema «Managementorientierte Informations- und Kennzahlensysteme für Krankenhäuser». Einige Jahre später habilitierte er mit dem Forschungsprojekt «Arbeitssituation des Pflegepersonals». Zudem studierte er vier Jahre an der School of Public Health in den USA.

Bernhard Güntert war bis 2017 Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Management und Ökonomie im Gesundheitswesen an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Hall in Tirol. Zuvor war er Professor an der Universität Bielefeld in Deutschland (1994-2004). 1992 bis 1994 leitete er die Forschungsgruppe für Management im Gesundheitswesen an der Universität St. Gallen. Der 64-Jährige ist als Berater im Gesundheitswesen und Dozent an mehreren Universitäten und Fachhochschulen national und international tätig.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Macht Demokratie das GW krank? Zuviel Demokratie für das GW? Diese Fragen sind im Grundsatz falsch. Es ist der Kapitalismus der Krank macht. Er ist der Krankheitserreger und er zieht Geld ab und befördert es in die Taschen Einzelner. Die Demokratie hat lediglich den Weg für diesen Krankheitserreger geebnet. Die Demokratie wäre imstande diesen Weg auch wieder zu verbauen und die Seuche somit zu stoppen.
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    1. Antwort von Carlo Meyer (C. Meyer)
      Dann finden Sie es in Ordnung, dass das Pflegepersonal nur noch das Existenzminimum erhält? Alles andere wäre ansonsten Kapitalismus. Oder wo ziehen Sie die Grenze?
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