Die Schwarze Madonna von Einsiedeln erhielt Tausende Briefe

Während des ersten Weltkriegs erhielt die Schwarze Madonna von Einsiedeln Post aus den umliegenden Ländern. Angehörige von Soldaten schickten ein Bild ihres Liebsten mit der Bitte ans Kloster, die Wunder wirkende Madonna möge den Abgebildeten beschützen. Etwa 3500 solche Bilder sind noch vorhanden.

Rund ein Drittel der im Klosterarchiv erhaltenen Fotos stammen aus Deutschland, ein Drittel aus Österreich und ein weiteres Drittel aus Frankreich und Italien. Angehörige der Soldaten schickten während des Ersten Weltkriegs die Bilder nach Einsiedeln, mit der Bitte, die Fotos in der Gnadenkapelle aufzustellen. Sie hofften, auf diese Weise ihre Liebsten dem Schutz der Muttergottes zu unterstellen.

Der in Luzern lehrende Geschichtsprofessor Valentin Gröbner hat die Soldatenfotos erforscht. Erstaunlich ist, dass er kein anderes Kloster und keinen anderen Wallfahrtsort in Europa gefunden hat, dem ebenfalls solche Abbildungen zugeschickt wurden. Offenbar hatte Einsiedeln eine besondere Anziehungskraft. Zudem vermutet Gröbner, dass der Schutz durch die neutrale Schweizer Madonna den Angehörigen von Soldaten besonders vielversprechend erschien.

Schwarze Madonna war bekannt

Viele der in Einsiedeln zum Schutz Empfohlenen kannten die Schweiz, der Marienwallfahrtsort Einsiedeln war ihnen vermutlich ein Begriff. Vor 1914 war der Ausländeranteilvergleichbar mit dem von heute, in gewissen Städten war er sogar höher.

Die Soldatenfotos fanden auf ganz unterschiedliche Weisen nach Einsiedeln. Viele kamen in Sammelcouverts, weitergeleitet von Pfarrämtern oder anderen Klöstern. Andere wurden direkt dem Abt des Klosters zugeschickt. Es gab zu der Zeit aber auch in zwei Restaurants Köchinnen aus Österreich und Deutschland, denen viele Fotos mit der Bitte zugeschickt wurden, die Bilder in die Gnadenkapelle zu tragen.

Keine Feldpost mehr nach dem Krieg

Ob die Fotos damals tatsächlich in der Klosterkirche aufgestellt wurden, ist nicht dokumentiert. Auf vielen Bildern ist aber der Vermerk «in die Gnadenkapelle» in der Handschrift des damaligen Klosterarchivars zu finden, was vermuten lässt, dass der Bitte nachgekommen wurde.

In vielen Briefen wird auch darum gebeten, dass das Foto nach dem Krieg zurückgeschickt werden soll. Diesem Wunsch kam das Kloster nicht nach, wahrscheinlich aus Kostengründen aber auch aus Überforderung. So verschwanden die 3500 Fotos und Briefe im Klosterarchiv und erzählen 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, eine Geschichte über die damalige Zeit. Nach Kriegsende erhielt die Schwarze Madonna keine Feldpost mehr.

(Regionaljournal Zentralschweiz 17.30 Uhr)