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MAZ-Direktor Diego Yanez: «Junge nehmen kaum noch eine gedruckte Zeitung zur Hand»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 22.05.2020.
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MAZ-Direktor Diego Yanez «Journalist bleibt man, bis man tot umfällt»

Nach fast 40 Jahren im Journalismus geht Diego Yanez in Pension. Er hat den Wandel der Medienwelt hautnah miterlebt.

Ja, sagt Diego Yanez: Er sei ein Dinosaurier. Natürlich konsumiere er Medien elektronisch und sei auch auf Facebook unterwegs – aber morgens lese er zuerst immer die gedruckte Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung». Bei den jungen Journalismus-Studentinnen und -Studenten am MAZ ist das anders, sagt er. «Junge nehmen kaum noch eine gedruckte Zeitung zur Hand.»

Mehr Druck, mehr Tempo, weniger Lohn

Das ist nicht das Einzige, das sich verändert hat in den rund 40 Jahren, in denen der abtretende MAZ-Direktor im Journalismus tätig war – vom «Vaterland» in Luzern bis zum Schweizer Fernsehen, für das er als Reporter, Nahost-Korrespondent und Chefredaktor gearbeitet hat.

«Die Anforderungen sind bedeutend höher geworden. Als ich im Journalismus begonnen habe, musste ich weniger können und leisten als ein Neueinsteiger heute», sagt Yanez. Zudem habe der Druck zugenommen: «Man arbeitet mehr, man arbeitet schneller, man muss flexibler sein als früher – und gleichzeitig verdient man weniger.»

Journalismus bleibt für viele ein Traumberuf

Dennoch bezeichnet der 62-Jährige den Journalismus noch immer als «Traumberuf», als eine Art «ständige Weiterbildung». Seine Anziehungskraft sei ungebrochen, das beobachte er bei den Aufnahmegesprächen mit neuen Studierenden am MAZ, das er die vergangenen sechs Jahre geleitet hat. «Sie wissen, worauf sie sich einlassen und dass die goldenen Zeiten bis auf Weiteres vorbei sind – und dennoch ist das Interesse an unserer Diplomausbildung ungebrochen gross.»

Ein Problem sei allerdings, dass die Medienunternehmen immer weniger Ausbildungsplätze anböten. Für das MAZ – dessen zweijährige Diplomausbildung nebenberuflich läuft – bedeute dies, dass es weniger junge Journalistinnen und Journalisten ausbilde, als es eigentlich könnte.

«Business-Modell des Journalismus steckt in Krise»

Hinter den gestrichenen Ausbildungsplätzen stecken die finanziellen Probleme, mit denen die klassischen Medien zu kämpfen haben. «Wir haben eine Krise des Business-Modells des Journalismus», sagt der Diego Yanez. «Die Inserate brechen weg, die Abos brechen weg – und auf den digitalen Kanälen, auf die sich der Medienkonsum verschiebt, lässt sich kein Geld verdienen.»

Es müssten daher neue Modelle geprüft werden, wie Medien finanziert werden könnten. Wahrscheinlich, so Yanez, werde der Staat dabei eine mehr oder weniger starke Rolle spielen müssen. Aber: «Die Rolle des Staates darf keinen Einfluss auf die Inhalte der Medien haben. Sie müssen unabhängig bleiben.»

Vorfreude auf eine leere Agenda

Ende Mai geht Diego Yanez, der in Hochdorf lebt, in Pension; seine Nachfolge am MAZ übernimmt Martina Fehr, bislang Leiterin Publizistik bei der «Südostschweiz»-Gruppe. Er freue sich auf eine leere Agenda und auf die ungelesenen Bücher, die sich bei ihm stapelten, sagt er. Die Medienwelt werde er weiterverfolgen – wenn vielleicht auch nicht mehr ganz so intensiv wie bisher. Aber, sagt er: «Wer einmal Journalist war, bleibt es, bis er tot umfällt.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 22. Mai 2020, 17:30 Uhr;

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