Eigenartiger Sonntagsverkauf Möbelhaus Lipo lässt Kunden zweimal antraben

Der Möbelhändler Lipo lud zum Sonntagsverkauf in Emmen. Kunden durften ihre Einkäufe allerdings nicht mit nach Hause nehmen, sondern erst am nächsten Tag. Lipo spricht von einem «unangenehmen Fehler» in der Kommunikation – es habe sich um einen «Schausonntag» gehandelt.

Sonntagmorgen, 8:25 Uhr. Das Handy von Lipo-Kundin Daniela D. vibriert. Eine SMS von Möbelhändler Lipo. «Lipo Emmen – heute 10-17 Uhr geöffnet», heisst es dort, «bis Montag von 20 Prozent Rabatt auf Ihr Lieblingsmöbel profitieren.» Daniela D. schnappt Kinder und Schwiegermutter und fährt nach Emmen.

«Das können Sie nicht machen»

Ein paar Batterien landen im Einkaufswagen von Daniela D. Ebenso einige Glühbirnen, eine Lampe und für die beiden Töchter ein Kinderteppich und ein Spielzeug-Mikrophon. «An der Kasse hiess es dann, wir könnten die Sachen nicht mit nach Hause nehmen», erzählt die Kundin dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

Zuerst habe sie gedacht, die Kassiererin mache einen Witz. Diese aber habe gesagt, man habe keine Bewilligung, um Waren abzugeben. Und so wurden die Einkäufe nach dem Bezahlen in einen grossen Plastiksack gepackt und in einem Hinterzimmer versorgt. Zurück blieben eine verdutzte Kundin und ihre weinende Tochter, die sich vergebens auf das Spielzeug-Mikrophon gefreut hatte.

Daniela D. ärgert sich über Lipo: «Man lässt die Kunden bezahlen, aber die Ware können sie dann am nächsten Tag abholen. Das ist Kundenfängerei.»

«Schausonntag» statt «Sonntagsverkauf»

Kunden mit einem Sonntagsverkauf in den Laden locken und sie dann einen Tag später nochmals antraben lassen? Was nach einem mehr oder weniger cleveren Marketingtrick tönt, ist nach Angaben von Lipo ein «Missverständnis». Am Sonntag, 26. März, habe in der Lipo Emmen ein vom Kanton Luzern bewilligter «Schausonntag» stattgefunden.

Tatsächlich erlaubt das kantonale Arbeitsgesetz Möbelgeschäften zwei Ausstellungssonntage pro Jahr. An solchen dürfen Waren bestellt und bezahlt, jedoch nicht mit nach Hause genommen werden. Auf Anfrage bestätigt die Luzerner Polizei, dass Lipo für den besagten Sonntag eine entsprechende Ausnahmebewilligung hatte.

Lipo begründet die Durchführung von Schausonntagen etwas umständlich: «Der Sinn liegt darin, dass Interressierte auch an Sonntagen stationäre Fachgeschäfte besuchen können, quasi wie ein Tag der offenen Türe, und so eine Alternative zum Zeitvertreib erhalten.»

Lipo entschuldigt sich

Dass auf der Lipo-Internetseite nachweislich von «Sonntagsverkauf» die Rede war und dass Kundin Daniela D. eine SMS bekommen hatte, die unmissverständlich auf einen Sonntagsverkauf schliessen lässt, führt Lipo in einer schriftlichen Stellungnahme auf einen «definitiv unangenehmen» Fehler in der Marketingabteilung zurück.

Obwohl im Prospekt von Ende März der Hinweis auf den Schausonntag erwähnt gewesen sei, sei diese Information in der Kommunikationsabteilung untergegangen. «Die Information, dass es sich um einen Schausonntag und nicht um einen regulären Sonntagsverkauf handelt, hat die E-Commerce Abteilung nicht erreicht.» Diese Abteilung kümmere sich unter anderem um SMS, Facebook und Newsletter.

Lipo versichert, die Schwachstelle gefunden zu haben. Es seien bereits Massnahmen getroffen worden, um solche Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden. «Seitens Lipo entschuldigen wir uns natürlich bei allen Kundinnen und Kunden, welche den vollumfänglichen Informationsgehalt zum Schausonntag nicht erhalten haben.»

Sendung zu diesem Artikel