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Prozess gegen Ignaz Walker Urner Barbetreiber will Urteil erneut weiterziehen

Ignaz Walker wurde zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt. Nun erhebt er indirekt Vorwürfe gegen das Gericht.

Legende: Video Schuldspruch im Fall Walker abspielen. Laufzeit 04:33 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 22.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der ehemalige Urner Cabaretbetreiber Ignaz Walker hat 2010 einen Killer auf seine damalige Frau angesetzt.
  • Zu diesem Schluss ist das Urner Obergericht gekommen.
  • Es verurteilt den Mann wegen versuchten Mords und weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren.
  • Er kündigte bereits an, das Urteil erneut weiterzuziehen.
  • Am Rande der Urteilsverkündung erhob Walker indirekt Vorwürfe gegen das Obergericht.

Das Urner Obergericht hat seinen Schuldspruch im Falle Ignaz Walker damit begründet, dass es die Indizien neu bewertet habe. 2016 hatte es den Beschuldigten vom Vorwurf freigesprochen, 2010 einen Auftragskiller auf seine damalige Frau angesetzt zu haben.

Das Bundesgericht hatte den Freispruch aufgehoben und vom Urner Obergericht verlangt, dass es die Indizien neu beurteile. Zudem hatte es festgestellt, dass der Beschuldigte kein Opfer eines Komplottes seiner damaligen Gattin sei.

Das Obergericht habe den Fall im Lichte des Bundesgerichtsurteils neu gewürdigt, sagte der Vorsitzende Thomas Dillier am Montag in Altdorf bei der Urteilsverkündung. Der Freispruch sei 2016 nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» gefällt worden.

An der Täterschaft gebe es keinen Zweifel

Das Obergericht beurteilte Zeugenaussagen, Telefonkontakte, Schussrekonstruktionen, Alibis und Motive neu. Es gebe rechtsgenügliche Beweise für die Schuld des Beschuldigten, sagte Dillier.

Der Beschuldigte müsse die Person gewesen sein, die den Auftrag für die Schüsse auf seine Frau gegeben habe. An der Täterschaft des rechtskräftig verurteilten Auftragskillers gebe es keinen Zweifel.

Die Frau war beim Anschlag schwer verletzt worden. Das Gericht sprach den Beschuldigten des Mordversuchs in Mittäterschaft schuldig. Dazu kommt eine Schussabgabe des Beschuldigten auf einen Gast; diese Verurteilung wegen Gefährdung des Lebens durch das Obergericht hatte das Bundesgericht bestätigt.

Walker muss nicht sofort ins Gefängnis

Für beide Delikte legte das Obergericht eine Strafe von 10 Jahren fest. Angerechnet wird die Zeit, die er bereits in Untersuchungshaft war. Die Haft muss der Verurteilte allerdings nicht sofort antreten. Es bestehe laut dem Gericht keine Fluchtgefahr.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wird die Justiz auch weiterhin beschäftigten. Ignaz Walker hat vor, das Urteil erneut weiterzuziehen, wie er in Altdorf sagte.

Walker schiesst gegen Gericht

Nach der Verkündung des Urteils machte Walker eine erstaunlichen Aussage vor den Medien. Er habe schon vor der Verkündung gewusst, dass er schuldig gesprochen werde: «Durch Telefonanrufe in der Nacht habe ich das Urteil bereits gekannt.»

Damit wirft Walker dem Obergericht indirekt vor, es habe jemand vorgängig vertrauliche Informationen weitergegeben – und so das Amtsgeheimnis verletzt.

Gericht reagiert gelassen

Das Urner Obergericht hat vom Regionaljournal zum ersten Mal von diesen Aussagen erfahren. Man wolle darauf aber erst reagieren, wenn genauere Angaben oder eine Beschwerde vorliegen würden, schreibt Obergerichtspräsident Rolf Dittli:

«Solange Herr Walker seine bisher bloss in den Medien erhobene Behauptung nicht wenigstens substanziiert, sehe ich keinen Anlass, um eine Untersuchung zu eröffnen.»

Auf der Seite des Verurteilten gibt es hierzu keinen Kommentar. Der Anwalt von Ignaz Walker sagt auf Anfrage, er wisse nicht ob sein Mandant eine offizielle Beschwerde einreichen werde.

Der Fall Walker - Chronologie

Die Taten:
Januar 2010: Walker schiesst vor seiner Bar in Erstfeld auf einen Gast. Dieser bleibt unverletzt
November 2010: Auf Walkers damalige Frau wird dreimal geschossen, sie trägt lebensgefährliche Verletzungen davon.
Die Urteile:
Oktober 2012 - Urteil Landgericht Uri
Walker wird wegen Gefährdung des Lebens (Vorfall Januar) und versuchten Mordes (Mittäterschaft beim Vorfall November) zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Der Schütze erhält 8,5 Jahre wegen versuchten Mordes (er akzeptiert das Urteil, hat die Strafe inzwischen abgesessen und ist ausgeschafft worden)
September 2013 - Urteil Obergericht Uri:
Walker wird wegen
Gefährdung des Lebens und versuchten Mordes zu 15 Jahren Gefängnis
verurteilt
Dezember 2014 - Urteil Bundesgericht
Beschwerde Walkers wird gutgeheissen. Das Obergericht muss darf die DNA-Spur auf der Patronenhülse nicht als Beweismittel verwenden. Zum Auftragsmordversuch äusserst sich das Bundesgericht nicht.
April 2016 - Urteil Obergericht Uri:
Walker wird wegen Gefährdung des Lebens (Schüsse auf Gast) zu 28 Monaten Gefängnis verurteilt. Vom Vorwurf, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, wird Walker freigesprochen.
April 2017 - Urteil Bundesgericht:
Bestätigt das Urteil zu den Schüssen auf den Gast (28 Monate Gefängnis, dieser Teil ist rechtskräftig). Das Urteil zum versuchten Auftragsmord aber wird aufgehoben. Das Bundesgericht kritisiert das Urner Obergericht: Die Würdigung der einzelnen Beweise sei «ungenügend begründet, nicht nachvollziehbar oder gar offensichtlich unhaltbar».
Januar 2018 - Urteil Obergericht Uri:
Walker wird wegen versuchten Mordes schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Hat er nun, oder hat er nicht ? Das ist doch hier die wesentliche Frage.
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  • Kommentar von Mirco Schmid (Mirco Schmid)
    Eine Justizposse ... Es gibt gewichtige Hinweise dafür. Aufgrund von Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft wird immer ein Restzweifel bleiben. Auf jeden Fall gehören die Verantwortlichen Entlassen, da sie das Vertrauen in die Justiz gefährdeten. Sehr bedenklich am Urteil finde ich, dass die Anwaltsentschädigung zusammengestrichen wird. Anwälte müssen eigene Abklärungen treffen können, was jeder "Privatverteidiger" auch macht. Die Staatsanwaltschaft erwähnte dazu auf die PR, klingt also nach Stra
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  • Kommentar von Andy Schmid (andy)
    Dieser Justizfall hätte der Urner Justiz schon vor Jahren entzogen und sämtliche Verhandlungen und Richtersprüche der Justizhoheit eines anderen Kantons unterstellt werden müssen. Vor Jahren wurde dies auch in der Rundschau von SRF mit Fakten aufgezeigt. Uebelste Versäumnisse und Unterlassungen der Justiz mit nie aufgebotenen und inzwischen verstorbenen Zeugen lassen sich nicht mehr korrigieren und Gerechtigkeit kann nicht mehr gefunden werden. Deshalb kann nur "In dubio pro reo" gelten.
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