Salle Modulable: Happyend nach vierjähriger Leidensgeschichte

Das Luzerner Musiktheater-Projekt «Salle Modulable» bekommt 120 Millionen Franken vom sogenannten Butterfield Trust. Darauf haben sich die Stiftung und der Trust, der das Geld verwaltet, geeinigt. Bis 2018 soll aufgezeigt werden, wie das neue Prestigeprojekt realisiert werden kann.

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Einigung für «Salle Modulable»

3:04 min, aus Schweiz aktuell vom 4.12.2014

Vier Jahre lang stritten die beiden Parteien über die vermachten Millionen des Mäzens Christof Engelhorn. Am Donnerstag verkündeten nun die Stiftung Salle Modulable und der auf Bermuda ansässige Vermögensverwalter Butterfield Trust die Details der Einigung.

Anwesend waren auch Vertreter von Stadt und Kanton Luzern. Von den zugesicherten 120 Millionen Franken seien 5,75 Millionen bereits früher an Projektkosten bezahlt worden, sagte Ernst Schmid, Vertreter des Trusts. Nach Abzug aller übrigen Kosten werden für den Bau des Hauses rund 80 Millionen Franken zur Verfügung stehen.

Zusammenlegung mit Luzerner Theater

Das Projekt Salle Modulable sorgte in den letzten Jahren in Politik und Kultur für unzählige Diskussionen. Standorte wurden genannt und wieder verworfen, die Finanzierung der Betriebskosten wurde diskutiert und über mögliche Inhalte des Musiktheaters gestritten.

Die Debatte gipfelte in einer Idee des Luzerner Stadtrates, das Luzerner Theater könne auf die Sparten Schauspiel und Tanz verzichten, sodass sich die Salle Modulable ganz auf das Musiktheater konzentrieren könne. Das Sprechtheater und der Tanz hätten dabei an die freie Szene ausgelagert werden sollen.

Beim Luzerner Theater war man anfänglich gegen diese Idee, später vollzog die Leitung unter Dominique Menta aber eine Kehrtwende. Sie konnte sich einen Betrieb im bestehenden Haus an der Reuss längerfristig nicht mehr vorstellen. Darum setzt sie jetzt auf die Integration in das Projekt Salle Modulable.

Die Geschichte der Salle Modulable

29. August 2007Der Intendant des Lucerne Festivals, Michael Haefliger, stellt die Idee eines flexiblen Saales für Musiktheater - den Salle Modulable - vor. Gemäss den Initianten sicherten Mäzene über 100 Millionen Franken zu. Die «SonntagsZeitung» deckte später auf, dass es sich um den in Meggen LU wohnhaften Industriellen Christof Engelhorn handelt.
April 2008Das Lucerne Festival gründet die Stiftung Salle Modulable. Diese soll das neue Theater mit bis zu 1000 Sitzplätzen projektieren, bauen, unterhalten und zur Verfügung stellen. Wunschstandort der Initianten ist der Parkplatz beim Verkehrshaus.
16. September 2009Erstmals tritt die Leitung der Projektierungsgesellschaft zusammen. Sie besteht aus Vertretern von Stadt und Kanton Luzern, des Theaters, des Sinfonieorchesters sowie der Stiftung Salle Modulable und des Lucerne Festivals. Das Projekt rief inzwischen weitere Interessenten auf den Plan, darunter die Hochschule.
17. Dezember 2009Eine Machbarkeitsstudie der Stiftung empfiehlt einen Standort in der Nähe des KKL am See zwischen Motorboothafen und Werft. Insgesamt wurden 23 mögliche Standorte geprüft, darunter auch das Gebiet Lido/Verkehrshaus und die Tribschenkrete.
3. August 2010Der Gönner des Projekts, Christof Engelhorn, stirbt mit 84 Jahren.
13. Oktober 2010Der Butterfield Trust mit Sitz auf den Bermudas, der das Vermögen des Verstorbenen verwaltet, zieht die Zusage für die Finanzierung des Projekts zurück. Begründet wurde dies mit vielen Ungewissheiten hinsichtlich Standort, Konzept und Kosten. Bisher wurden rund 5,75 Millionen Franken in die Projektierung investiert.
14. November 2010Die Stiftung Salle Modulable kündigt Klage gegen den Rückzug der insgesamt einst zugesicherten 120 Millionen Franken an. Sie beruft sich auf eine schriftliche Zusage des verstorbenen Gönners.
22. September 2011Der Butterfield Trust reicht auf den Bermudas Gegenklage ein. Er kommt der von der Stiftung angekündigten Klage in der Schweiz zuvor und will erreichen, dass die Forderungen der Stiftung abgelehnt werden.
11. August 2012Die Stiftung Salle Modulable erhält für den Prozess auf den Bermudas den Beistand der auf grosse Rechtsfälle spezialisierten englischen Firma Harbour Litigation Funding. Diese übernimmt die Prozesskosten und erhält im Erfolgsfall einen Teil der Klagesumme.
12. November 2013Auf den Bermudas beginnt in der Hauptstadt Hamilton am Supreme Court der Zivilprozess um die noch ausstehenden 114 Millionen Franken. Als Zeugen treten unter anderem der Luzerner Finanzdirektor Marcel Schwerzmann, Hubert Achermann und Michael Haefliger von Lucerne Festival sowie Privatbankier Karl Reichmuth auf.
21. Feburar 2014Der Supreme Court auf Bermuda kommt zum Schluss, dass der Rückzug der Gelder unrechtmässig war. Der zuständige Einzelrichter wies die Gegenklage des Trusts ab. Der Stiftung Salle Modulable räumte er zwölf Monate Zeit ein für eine neue Machbarkeitsstudie zum Musiktheater.
1. Dezember 2014Nach mehrmonatigen Verhandlungen geben die Stiftung und der Trust bekannt, dass sie den Rechtsstreit um die Finanzierung des Projekts Salle Modulable beilegen. Sie einigten sich auf einen Neustart.