«Sie können sich gar nicht vorstellen, wie umstritten Turnen war»

Im Kanton Luzern feiern in diesen Tagen zwei Kantonsschulen einen hohen Geburtstag: Die Schulen von Beromünster und Willisau sind 150-jährig. Dass zu dieser Zeit gleich mehrere Gymnasien eröffnet wurden, sei kein Zufall, sagt der Autor und ehemalige Lehrer Pirmin Meier.

Die 1860er-Jahre brachten in der Luzerner Bildungslandschaft einschneidende Veränderungen: 1865 wurde die Kantonsschule Willisau ins Leben gerufen, 1866 die Kantonsschule Beromünster und 1867 jene in Sursee.

«Eigentlich wäre die Weiterentwicklung der Schulen schon bei der Gründung des Bundesstaates 1848 geplant gewesen. Doch es brauchte noch etwas Zeit», erklärt der Luzerner Autor Pirmin Meier im Gespräch mit Radio SRF.

Grosse Veränderungen

Er war selbst jahrelang Gymnasiallehrer in Beromünster. Hinblicklich der 150-Jahre-Feierlichkeiten erforschte Meier die Anfänge der Schule. Entstanden ist das Buch «Schola Beronensis – Wege und Irrwege luzernischer Bildungsgeschichte in tausend Jahren».

Die Kantonsschulen brachten in den 1860er-Jahren grosse Veränderungen. So wurde etwa in Beromünster das Fachlehrersystem eingeführt, was sehr umstritten war. Denn man befürchtete, der Unterricht würde zu sehr verzettelt. Für viel Gesprächs- und Diskussionsstoff sorgte auch das Fach Turnen. «Sie können sich gar nicht vorstellen, wie umstritten das damals war. Es herrschte die gängige Meinung, dass Turnen Privatsache, also Aufgabe von Vereinen sei», sagt Autor Pirmin Meier.

Gemeinsamkeiten nach 150 Jahren

Zwischen den Gymnasien von damals und jenen von heute sieht Autor Pirmin Meier durchaus Parallelen. «Noch heute sind die Kantonsschulen auf Leistung ausgerichtet. Und die Diskussionen um Finanzen gab es vor 150 Jahren schon.» Auch wenn die Luzerner Gymnasien wegen der Sparanstrengungen des Kantons künftig mit weniger Geld auskommen müssen, ist Meier überzeugt: «Mit motivierten Lehrpersonen und der Konzentration auf das Wesentliche werden die Schulen auch in Zukunft ihre Aufgaben meistern.»

Regionaljournal Zentralschweiz; 17:30 Uhr