Albanisches Stammesrecht Kanun Was der Kanun wirklich ist – eine Übersetzung soll es zeigen

Der Lyriker Bardhec Berisha stammt aus dem Kosovo, lebt aber seit Jahrzehnten in Emmenbrücke. Mit seiner Übersetzung des Kanun will er den Leuten zeigen, dass das albanische Gewohnheitsrecht weit mehr ist als Blutrache.

Der Kanun

Bildlegende: Zwischen diesen beiden Buchdeckeln verbergen sich die über 1200 Paragraphen des Kanun - auf Albanisch und auf Deutsch. SRF

Der Kanun beinhaltet über 1200 Paragraphen. Vom Nachbarschaftsrecht über das Verhalten im Schadensfall, bis zu Fragen zu Ehe und Familie regelte er über Jahrhunderte das alltägliche Leben der ländlichen albanischstämmigen Bevölkerung.

Bei uns wird der Kanun meist mit dem Thema Blutrache gleichgesetzt. Es sei wichtig, den Kanun zu kennen, findet Bardhec Berisha, um Vorurteile abzubauen. Darum habe er ihn modernes Deutsch übersetzt. Aber auch Secondos und Secondas mit kosovarischen Wurzeln müssten wissen, was er beinhalte, damit es nicht zu Fehlinterpretationen komme.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Über fünf Jahre lang hat Bardhec Berisha immer wieder am Kanun gearbeitet, hat die 1263 Paragrafen aus dem veralteten ländlichen Albanisch in modernes Deutsch übertragen.

    Das albanische Gewohnheitsrecht Kanun – überholtes Kulturerbe?

    Aus Rendez-vous vom 22.3.2017

    Kanun ist ein jahrhundertealtes Stammesrecht, das in Albanien neben dem offiziellen Recht mündlich weitergegeben und auch praktiziert wurde und wird – und deshalb auch in die Schweiz gelangt ist, wo Fälle von Blutrache verschiedentlich für Schlagzeilen gesorgt haben.

    Seit kurzem gibt es Kanun in einer modernen deutschen Übersetzung. Im Restaurant «Adler» in Emmenbrücke, der Stammbeiz des Übersetzters Bardhec Berisha, äussern sich Kosovo-Albanerinnen und Kosovo-Albaner zum Kanun. Die Reportage und das Gespräch mit Burim Ramaj von der Uni Freiburg; er schreibt eine Disseration zum Kanun.

    Beat Vogt und Brigitte Kramer