«Zug ist angewiesen auf auswärtige Lehrlinge»

Beat Schuler leitet seit 10 Jahren das Amt für Berufsbildung des Kantons Zug. Dabei ist das Amt zuständig für die Ausbildungsbewilligungen, die Lehrverträge und schlichtet auch bei Konflikten. Von den 3700 Lehrlingen pendelt ein Drittel in den Kanton Zug.

Was muss ein Lehrbetrieb vorweisen können, um die Bewilligung für die Lehrlingsausbildung zu erhalten?

Wir schauen uns die Firma genau an und nehmen ihre Arbeitsabläufe unter die Lupe. Wir kontrollieren, ob sich das Berufsbild mit den vorliegenden Vorschriften übereinstimmt. Wir überprüfen auch, ob die Firma die Leute hat, um auszubilden. Diese müssen einen 5-tägigen Kurs für Berufsbildung absolvieren.

Aktuell bilden im Kanton Zug 1400 Betriebe Lehrlinge aus. Kommt es häufig vor, dass das Amt für Berufsbildung die Ausbildungsbewilligung verweigert?

Das kommt vor - allerdings recht selten. Wir werden hellhörig, wenn sich Lehrvertragsauflösungen häufen oder wenn von einer bestimmten Firma die Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung nicht bestehen. Wir suchen zuerst das Gespräch mit dem Betrieb und versuchen das Problem so zu lösen.

Greifen Sie ein, wenn Lehrlinge als billige Arbeitskräfte missbraucht werden - beispielsweise wenn ein Lehrling regelmässig Überzeit machen muss?

Ja, da greifen wir ein. Dazu gibt es sehr klare Vorschriften. Man muss aber auch sehen, dass der Arbeitsmarkt manchmal so funktioniert. Die Lehrlinge bewegen sich nicht in einem geschützten Schulbetrieb, wo in jedem Fall um 17 Uhr Feierabend gemacht werden kann. Manchmal dauert die Arbeit so lange, bis sie erledigt ist. Das gehört mit zur Ausbildung, damit umgehen zu können. Wenn sich aber Überzeit häuft oder der Lehrling Arbeiten erledigen muss, die nicht zur Ausbildung gehören, nehmen wir Kontakt mit dem Lehrbetrieb auf.

Der beliebteste Lehrberuf ist immer noch die Kaufmännische Lehre, dicht gefolgt von den Informatikern. Seit kurzem bietet der Kanton Zug ein Novum an. Jugendliche können eine rein englischsprachige Lehre bei internationalen Firmen absolvieren. Funktioniert dieses neue Angebot?

Die Firmen sind noch zurückhaltend. Vor dem Projekt haben sie sich deutlich euphorischer geäussert. Jetzt müssen die Firmen den Tatbeweis erbringen und sich engagieren. Bereits Lehrlinge im KV- und IT-Bereich beschäftigt zum Beispiel der Rohstoffhändler Glencore. Ich bin überzeugt, dass diese visionäre Idee der englischsprachigen Lehrausbildung in zehn Jahren eine Selbstverständlichkeit ist.

Im Kanton Zug machen aktuell 3700 junge Menschen eine Berufslehre. Dabei sind die Firmen - analog wie in der Wirtschaft - auf Arbeitskräfte von auswärts angewiesen. Zug könnte den Bedarf an Lehrlingen nicht alleine decken?

Das ist richtig. Zug hat überproportional viele Arbeitsplätze im Vergleich zur Bevölkerung. So ist es auch im Lehrlingswesen. Zug ist angewiesen auf auswärtige Lehrlinge.

Regionaljournal Zentralschweiz 17:30 Uhr