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Abschied als Regierungsrätin «Es gab diesen Moment, als ich einmal nicht mehr weiter wusste»

13 Jahre lang war sie Schaffhauser Finanzdirektorin. Ende März gibt Rosmarie Widmer Gysel (SVP) ihr Amt ab.

Rosmarie Widmer Gysel (SVP) war eine von zwei Frauen, die als erste überhaupt in die Schaffhauser Kantonsregierung gewählt wurde. Als Finanzdirektorin fuhr sie einen strengen Sparkurs. Damit schuf sie sich in den letzten 13 Jahren nicht nur Freunde.

SRF News: Die Schaffhauser AZ gab Ihnen einst den Titel: «Die Eiserne». Erkennen Sie sich darin wieder?

Rosmarie Widmer Gysel: (lacht) Das war lustig. Das war vor ein paar Jahren, Schaffhausen befand sich in einem Entlastungsprogramm. Um erfolgreich zu sein, bleibt einem nichts anderes übrig, als schön auf der Linie zu bleiben. Das wird einem dann von Manchen als «eisern» ausgelegt.

Sehen Sie sich als knallharte Frau?

Diese Seite gibt es, die geschäftliche Seite. Die sozialen Aspekte, der Umgang mit den Mitarbeitern ist auch sehr wichtig. Da kann man mir nicht vorwerfen, ich sei «eisern». Aber ja, man kann sich nicht nur Freunde machen.

Sie haben als Finanzdirektorin zwei grosse Sparpakete geschnürt. Alle waren unzufrieden. Äusserlich sind Sie auf Linie geblieben, was hat die Kritik innerlich ausgelöst?

Ich konnte auch innerlich dahinterstehen. Deshalb ging es. Auch wenn ich als «Hexe» oder «rotes Tuch» galt, habe ich innerlich nicht gelitten.

Und gab es nie einen Moment, wo Sie am liebsten aufgegeben hätten?

Doch. Tatsächlich gab es einen Moment, den werde ich nie vergessen. Darüber habe ich auch noch nie gesprochen. Als wir (die Regierung) merkten, dass das erste Entlastungsprogramm nicht genügt, reichten wir weitere Sparvorschläge ein. Alle wurden verworfen. Es waren drei, vier Monate intensivster Arbeit und wir kamen nicht weiter. Da gab es diesen Moment, als ich nicht mehr weiter wusste. Da musste ich ein Mal weinen.

Das Gespräch führte Roger Steinemann.

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