«Das Einzige, was mir noch fehlt, ist ein Exekutivamt»

Aufgewachsen ist er in Zürich, gelebt hat er auch schon in Venezuela. Als Student ging er für mehr Freiraum auf die Strasse, heute ist er Stadt-Entwicklungsforscher, Gemeinderat und Stadtratskandidat: Richard Wolff positioniert sich als «linke Alternative» neben den zwei bürgerlichen Kandidaten.

Richard Wolff, Stadtratskandidat

Bildlegende: Richard Wolff in seinem Büro des Stadtforschungsnetzwerks INURA in der Stadt Zürich. SRF

In diesen Tagen hetzt Stadtrats-Kandidat Richard Wolff von einer Wahlveranstaltung zur nächsten. Verschiedene Projekte bleiben deshalb länger liegen. Freizeit hat er zurzeit keine. Ausser in den frühen Morgenstunden, da praktiziert der 55jährige Tai Chi: «Diese Stunde ist für mich sehr wichtig. Ich schaue zu meinem Körper und kann gleichzeitig darüber nachdenken, was der Tag bringt.»

Die drei Söhne sind von zuhause ausgeflogen, als Stadtentwickler mit über 30 Jahren Erfahrung und Dozent an der Zürcher Hochschule ZHAW ist Richard Wolff jedoch gut ausgelastet.

Als Stadtrat müsste er nun seinen Beruf an den Nagel hängen. Je nach Departement käme sein Fachgebiet Stadtentwicklung nur noch am Rand vor, wenn überhaupt. Trotzdem - die Lust und auch der Ehrgeiz haben ihn gepackt. Er möchte noch einmal etwas Neues machen. 

« Es würde mich reizen, die Stadt von einer anderen Seite zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. »

Als Stadtrat würde er sich für mehr günstigen Wohnraum einsetzen, für mehr Krippenplätze, weniger Autos und die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft. Eine Mehrheit der Stadtzürcher Bevölkerung steht hinter diesen Anliegen. Wolff glaubt deshalb an seine Wahlchancen: «Wenn die Leute so wählen, wie sie zum Beispiel in Wohnungsfragen stimmen, habe ich gute Chancen.»

Auch in der Schweiz lässt sich manches bewegen

Als Jugendlicher verbrachte er zusammen mit den Eltern drei Jahre in Venezuela. Zurück in die Schweiz wollte er ursprünglich nur fürs Geographie- und Ethnologie-Studium, um sich danach in südlichen Ländern beruflich zu engagieren.

Im Mai 1980 begannen jedoch die sogenannten Opernhaus-Krawalle. Die Zürcher Jugend ging für mehr Freiraum auf die Strasse. Unter ihnen auch Richard Wolff. Er realisierte, dass er auch in der Schweiz manches bewegen konnte: Im Zug der Jugendbewegung entstand die Rote Fabrik. Wolff engagierte sich jahrelang in deren Vorstand.

1999 habilitierte er an der ETH zum Thema Stadtentwicklung. Seit 2000 ist Wolff Dozent für Städtebau und Stadtentwicklung an der ZHAW. Wolff leitet zusammen mit einem Geschäftspartner auch das INURA Zürich Institut, das unter anderem für die öffentliche Hand Konzepte und Expertisen zu Stadtentwicklungsfragen erstellt. Seit 2010 sitzt er als Mitglied der Alternativen Liste als Gemeinderat im Zürcher Stadtparlament.