«Der Start war auf Messers Schneide»

Vor 20 Jahren begann in der Schweiz ein neues Fernsehzeitalter - mit der Geburt der Privatsender. Der
Grösste von ihnen, Tele Züri, ging am 3. Oktober 1994 auf Sendung. Es sei verblüffend, dass das Konzept auch heute noch funktioniere, meint Gründer Roger Schawinski.

Roger Schawinski steht neben einem Bildschirm. Darauf sieht man das Logo von Tele Züri.

Bildlegende: Der Gründer und sein «Baby»: Roger Schawinski in seinem Büro, im August 1994. Keystone

Gross sei die Aufregung gewesen, an jenem 3. Oktober 1994, erinnert sich Roger Schawinski, Gründer und ehemaliger Besitzer von Tele Züri: «Der Start war auf Messers Schneide, die Technik nicht richtig funktionsfähig, die Testsendungen pannenbehaftet.»

Aber es klappte dann doch mit der Premiere, und Schawinskis Idee lebt noch heute: «Ich freue mich, dass ich etwas erfunden und umgesetzt habe, das nachhaltig ist. Tele Züri hat immer noch dasselbe Konzept, das ich mir in einem kleinen Stübli ausgedacht habe. Dass es immer noch funktioniert, ist verblüffend.»

Nahe beim Publikum, regionale Inhalte

Tele Züri setzte von Anfang an auf die Nähe zum Publikum. Die Moderatoren und Reporterinnen sprechen Schweizerdeutsch, die Themen betreffen meist die Region. Und in den täglichen Talkshows können die Zuschauer direkt ihre Meinung kundtun. Mit diesem Mix, dazu dem Prinzip, zu jeder vollen Stunde das Programm zu wiederholen, habe man den Zuschauern eine echte Alternative zum nationalen SRG-Fernsehen geboten, so Schawinski.

Mit dem Verkauf von Tele Züri im Jahr 2001 liess Roger Schawinski sein «Baby» los. Heute gehört der Sender zur Aargauer AZ Medien-Gruppe. Schawinski ist nur noch Beobachter und stellt fest: «Tele Züri ist zwar immer noch erfolgreich, hat sich aber nicht so weiterentwickelt, wie ich mir das vorgestellt hätte. Ich wünschte mir ein wenig mehr Innovationsdrang.» Aber vielleicht, so hofft der Medienpionier, komme das noch.