Abschied nach 27 Jahren Dieter Schwarz: «Der überhitzte Kunstbetrieb macht mir Sorgen»

Über ein Vierteljahrhundert war Dieter Schwarz Direktor des Winterthurer Kunstmuseums. Seine Verdienste: Eine Sammlung mit vielen amerikanischen Künstlern und die Erweiterung des Museums. Über Winterthur sagt er: «Die Stadt ist nett, vielleicht zu nett.»

Ein Mann mit blauem Hemd und schwarzem Pullover vor einem Bild mit vielen schmalen, farbigen horizontalen Streifen.

Bildlegende: Dank der persönlichen Beziehung zu Dieter Schwarz zeigten auch Künstler wie Gerhard Richter ihre Bilder in Winterthur. zvg/Kunstmuseum Winterthur

Während 27 Jahren pendelte Dieter Schwarz von Zürich auf Winterthur: «Ich brauchte immer wieder Abstand.» Denn Winterthur sei fast zu bescheiden. «Mit dem Blick von aussen konnte ich den Ehrgeiz entwickeln, die Welt nach Winterthur zu holen.»

Dieter Schwarz brachte amerikanische Künstler der Moderne nach Winterthur, kaufte Werke von Künstlern wie Guston, Kelly, Marden, Agnes Martin und Ryman, die er nun ein letztes Mal ausstellt. «Wir wollen zeigen, was wir mit dem Geld und der Zeit gemacht haben.»

«  Die Künstler fanden die Ausstellungen in Winterthur stets toll, weil sie persönlicher sind als an grösseren Orten.  »

Dieter Schwarz
Direktor des Kunstmuseums Winterthur

Die Künstler selber seien stets gerne nach Winterthur gekommen, weil das Gespräch persönlicher, die Kontakte enger gewesen seien als anderswo. Und auch Dieter Schwarz schätzte die bescheidene Atmosphäre in Winterthur: «Hier genoss ich mehr Freiheiten, meine Ideen zu verwirklichen.» Deshalb sei er auch so lange geblieben.

Mit 37 wurde Dieter Schwarz Museumsdirektor. Heute ist er 64 Jahre alt – und blickt mit Sorgen auf den Kunstbetrieb. «Die Preise sind derart angestiegen, dass sich die Museen die Werke bald nicht mehr leisten können.»

Trotz dieser pessimistischen Einschätzung will Dieter Schwarz dem Kunstbetrieb treu bleiben und in Zukunft als Kurator arbeiten.

(fren; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)