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Zürich Schaffhausen Dschihadisten-Rekrutierung: «Wir können im Moment nicht viel tun»

Im September 2013 wurde in Winterthur eine junge Frau für den Dschihad in Syrien rekrutiert. Nun zeigt sich: Obwohl die Behörden von der radikal-islamischen Veranstaltung wussten, konnten sie sie nicht verhindern. Dem Nachrichtendienst fehlen die Kompetenzen, er setzt auf Aufklärung.

Ein Mann mit muslimischem Käppi schaut auf ein Smart Phone.
Legende: Die Radikalisierung von jungen Muslimen geschieht meist im Internet. Keystone

Die Veranstaltung im Winterthurer Hotel Töss war bereits im letzten Herbst in den Schlagzeilen. Kurz vor Beginn wurde bekannt, dass deutsche Hassprediger eingeladen waren.

Die Hassprediger sind nie aufgetaucht - wohl wegen einer Einreisesperre, welche das Bundesamt für Polizei verfügt hatte. Die Veranstaltung fand aber statt - offiziell, um Geld für die Opfer des Syrienkrieges zu sammeln. Offenbar aber auch, um neue Gotteskrieger zu rekrutieren. Eine 16-jährige Deutsche soll sich in Winterthur entschieden haben, in den heiligen Krieg, den Dschihad zu ziehen, wie der Sonntagsblick mit Verweis auf die deutsche Zeitung FAZ am Wochenende schrieb.

Die Deutsche ist nicht die einzige, die in der Schweiz für den Dschihad angeworben wurde. «Wir wissen von 15 Schweizern, die im Dschihad in Syrien kämpfen», sagt Felix Endrich, Sprecher des Schweizer Nachrichtendienstes, auf Anfrage des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Und Sekten-Experte Georg Otto Schmid bestätigt: «Die Dschihadisten sind in der Schweiz im Vormarsch.» Konkret heisst dies, dass die Gewaltbereitschaft bei den - wenigen - radikalen Islamisten in der Schweiz zunimmt.

Zu wenig Kompetenzen für einen wirksamen Kampf

Das Problem beim Kampf gegen die Radikalisierung - und die Rekrutierung von Gotteskrieger: Bei privaten Veranstaltungen sind den Behörden die Hände gebunden. Es braucht keine Bewilligung, die Polizei kann diese also auch nicht verhindern. Und auch der Nachrichtendienst kann nicht aktiv werden: «Wir dürfen private Räume nicht überwachen», sagt Felix Endrich. Im Moment könne der Nachrichtendienst also nicht viel machen.

Das soll sich ändern: Der Bundesrat plant mehr Kompetenzen für den Nachrichtendienst. Im Sommer und Herbst debattiert das nationale Parlament über diese Pläne. Bis dahin setzt der Nachrichtendienst auf Aufklärung. Er überwacht die einschlägigen Seiten im Internet. Denn da werde am häufigsten rekrutiert. Und dann suche man das Gespräch, sagt Felix Endrich: «Wir zeigen den Leuten, was sie erwartet, wenn sie in ein Konfliktgebiet reisen und kämpfen wollen.» Damit habe man gute Erfahrungen gemacht. Aber Sektenexperte und Nachrichtendienst-Sprecher sind sich einig: Ganz verhindern kann man die Rekrutierung nie.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Alle Volksgruppen dürfen in der Schweiz Wohnsitz nehmen, aber sehr viel assimilieren sich hier nie, sonder missbrauchen unsere Gutgläubigkeit. Bei den Schulen fängt es an, jeder braut sich ein eigenes Süppchen und so Leben alle für sich und getrennt von der Schweizerbevölkerung. Bald gibt es keine geeinte Schweiz mehr.
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  • Kommentar von I.Bürgler, lbach
    Wir können hier nicht prüfen, wie viele Morde auch unschuldige Andersgläubige die Schweizer Dschihadisten in Syrien töten. Fakt ist, diese Leute dürfen anschliessend wieder frei als Massenmörder in der Schweiz herumlaufen. In Australien werden solche Leute umgehend aus dem Land geschafft, weil sie eine grosse Gefahr darstellen. So naiv wie die Schweizer Behörde ist wohl niemand auf der Welt. Wollen unsere Politiker noch lange zusehen oder trauen sie nichts dagegen zu machen? Tut endlich etwas!
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Das Problem ist nicht, dass diese Leute in den Jihad ziehen. Das Problem ist, dass ein Teil davon wieder zurückkommt, weil sich entweder ihr Shahid-Traum nicht erfüllt hat oder Schengen es verhindert, dass diese Jihadisten an der Grenze abgefangen werden.
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