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Zürich Schaffhausen Ein eigenes Windkraftwerk fürs Dach

Sie ist so gross wie ein Smart, wird auf das Hausdach montiert und produziert genug Strom für einen 2-Personen-Haushalt. Die Windturbine von Erfinder Sven Köhler. Noch existiert sie erst auf Papier, bald wird der erste Prototyp produziert. Sie könnte der Windenergie neue Möglichkeiten eröffnen.

Die Windturbine: ein Trapez aus Metall, darin die Windturbine.
Legende: Von links strömt der Wind ein, treibt die Turbinen an und strömt wieder aus. Oben wird Sonnenenergie produziert. zvg

Das Prinzip ist einfach: Auf jedem Dach gibt es eine Stelle am äussersten Rand, an welcher der Wind von der Fassade her hoch bläst und dann übers Dach strömt. Hier steht die neue Windturbine von Sven Köhler: eine Art Kiste, vorne und hinten ein winddurchlässiges Gitter und in der Mitte die eigentliche Turbine.

Auf dem Dach der Kiste werden dann noch Solarzellen montiert - und fertig ist das kleine Windkraftwerk, das einen 2-Personen-Haushalt mit Strom versorgt. Je nach Dach können bis zu 100 derartige Module aufgestellt werden. Kosten sollen sie rund 3000 Franken.

Viel Geld und Zeit investiert

Seit drei Jahren arbeitet Ingenieur und Erfinder Sven Köhler an der Idee. Seit seine Eltern zu Hause in Ostdeutschland ein Windrad aufstellen wollten, aber kein geeignetes Modell fanden. «Seither habe ich daran herum gedacht und letztes Jahr dann begonnen, ein Konzept zu erarbeiten.» Dreissig Seiten mit Rahmenbedingungen und Grundlagen hat Sven Köhler zusammengetragen, hat Forscher an Bord geholt und seine eigene Firma, die Anerdgy gegründet.

Das Projekt ist auf Kurs, einzig die Finanzierung gestaltet sich noch schwierig. Eine bis eineinhalb Millionen Franken kostet das Projekt, bis jetzt hat Sven Köhler vor allem eigenes Geld investiert. Nun hat er 150'000 aus dem Klimafond der Stadt Winterthur erhalten. Und Sven Köhler hofft, dass bald noch mehr Geld fliessen wird. Denn das WindRail, wie er seine Erfindung nennt, ist bereit für den Prototyp.

«Eigenstromproduktion soll selbstverständlich werden»

In den nächsten Tagen wird der Prototyp im Massstab 1:1 gebaut. Im Oktober wird er installiert - entweder auf dem Säntis oder auf dem Sulzer-Hochhaus in Winterthur.

In eineinhalb Jahren soll das WindRail dann fertig entwickelt sein und auf den Markt kommen. Wenn alles klappt, könnte damit erstmals in der Stadt, auf Hausdächern, mit Windenergie Strom produziert und im gleichen Haus auch verbraucht werden. «Ich hoffe, dass es in 20 Jahren selbstverständlich ist, Strom lokal selbst zu erzeugen und wir über die Anfänge lachen», sagt Sven Köhler.

Erfinder Sven Köhler

Erfinder Sven Köhler
Legende: srf

Sven Köhler ist 36jährig, studierter Ingenieur, stammt aus Deutschland und lebt seit 10 Jahren in der Schweiz. Bis im Februar 2013 betreute er interne Start Ups bei der Alstom, seither ist er Chef und Verwaltungsratspräsident der Anerdgy AG.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Affolter, Wädenswil
    Ich sah letzthin in Kreta eine Unmenge an riesigen Windrädern, mit denen Strom produziert wird - z. T. 20 Stück nebeneinander auf einem Bergrücken! Nicht-fossile Energie ist super, aber die Landschaft leidet darunter bzw. wird leider grausam verschandelt. Da sagte ich zu einem Begleiter: "Wenn jemand ein neues Gerät erfindet, mit dem durch Wind Energie gewonnen werden kann, dann gibt es dafür die Gold-Medaille oder auch Gold bzw. Geld! Herr Köhlers Idee ist viel versprechend...
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  • Kommentar von R.Käser, Zürich
    Super Herr Köhler! Die dezentrale Stromerzeugung wird vieles verbessern, nur eines nicht! Die Lobby der AKW Fans und der Energieverteiler erfreuen. Ich bin gespannt was unserem unglaublichem Umweltverhinderungs Parlament noch alles in den Sinn kommt um solche Inovationen abzuwürgen. In ganz Europa stehen tausende von Windrädern und in der Schweiz streiten wir um den Standort von einzelnen. Dies mit Hilfe von ultra Grünen welche sich am besten CO2 neutral kompostieren lassen sollten.
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