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Eingesperrt und entmündigt In Zürich melden sich immer mehr Opfer von Zwangsmassnahmen

Eine Hand zieht ein Dossier aus einem Aktenschrank
Legende: Die Staatsarchive unterstützen ehemalige Opfer staatlicher Zwangsmassnahmen bei der Suche nach ihrer Geschichte. Keystone

300 Millionen Franken stellt der Bund bereit, um staatliches Unrecht an Verdingkindern und anderen Opfern staatlicher Zwangsmassnahmen zu sühnen. Betroffene bekommen bis zu 25'000 Franken. Im Kanton Zürich können sie für das Gesuch die Unterstützung der Opferberatung und des Staatsarchivs in Anspruch nehmen.

Erst wenige Gesuche bis Ende Juni

Bis zu 800 Betroffene leben im Kanton Zürich, schätzt der Regierungsrat. Bis Ende Juni hatten aber nur gerade 150 Personen mit der Unterstützung der Opferberatung Zürich ein Gesuch gestellt, zeigt die Antwort des Regierungsrates auf eine Anfrage im Kantonsrat.

Eingereicht wurde sie von den Grünen, als der Bund Anfang Juli erste Zahlen bekannt gab. Sie zeigten, dass bisher nur wenige Betroffene den Solidaritätsbeitrag in Anspruch nehmen. Nach diesen Berichten stieg die Zahl der Gesuche aber deutlich an, bestätigt Guido Ginella von der Opferberatung Zürich. Inzwischen haben über 200 Menschen mit Unterstützung seiner Stelle in Bern ein Gesuch gestellt.

Den Leuten geht es nicht ums Geld - sie wollen vor allem, dass man ihnen zuhört.
Autor: Guido GinellaLeiter Opferberatung Zürich

Das gleiche beobachtet man im Zürcher Staatsarchiv. 355 Betroffene haben inzwischen mit der Unterstützung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Verena Rothenbühler ihre Geschichte rekonstruiert. Knapp ein Drittel davon habe sich erst in den letzten zweieinhalb Monaten gemeldet.

Gezögert hätten sie, weil sie sich für ihre Geschichte schämen, beobachtet Rothenbühler. Viele fühlten sich dafür auch schuldig. Dabei hätten sie ein Recht darauf, so ein Gesuch zu stellen und eine Wiedergutmachung zu verlangen.

Die Solidaritätsbeiträge werden unter anderem durch freiwillige Zuwendungen der Kantone finanziert. Die Grünen wollten in ihrer Anfrage auch wissen, wie sich der Kanton Zürich daran beteiligt. Aus der Antwort wird deutlich: bisher gar nicht. Der Regierungsrat will eine Beteiligung aber erst prüfen, wenn sich zeigen sollte, dass die schon bereitgestellten Mittel nicht reichen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Weber (Daniel Weber)
    Ich halte es für skandalös und beschämend wie sich die Schweizer Behörden in dieser Angelegenheit verhalten. Viele der Betroffenen verfügen nur über eine rudimentäre Schulbildung und sind aufgrund ihrer Erfahrungen mit Ämtern und Behörden traumatisiert. Nun wird von Ihnen verlangt, dass sie sich mit ihrer tragischen Vergangenheit auseinandersetzen und mit den Stellen, von denen sie wirklich nichts Gutes erfahren durften, zusammenarbeiten sollen. Läpische 25'000 für ein versautes Leben!!!
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  • Kommentar von Andreas Jost (SoNichtMitUns)
    Die Bereitschaft welche von Bund und Kantonen gezeigt wird ist einfach einmal mehr beschämend. Und trotz diversen Heimen im Kanton Zürich in welchen Kindern und Jugendliche die Hölle auf Erden erleben mussten, will man also erst einmal abwarten.. Doch von vielen nicht Betroffenen habe ich inzwischen schon gehört, dass man sich schämen würde ein Schweizer zu sein. Was ich bei unserer Politik der Macht leider absolut nachvollziehen kann.
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  • Kommentar von Lisa Brönnimann (Lisa Brönnimann Niemands Kinder)
    Leibliche Mütter u. Väter kämpften Jahrzehnte lang um die Kenntnisnahme ihrer beraubten Kinder zu erhalten. Sie werden sich kaum melden! Sie machen sich Verantwortlich, was uns Kindern angetan wurde. Meiner Mutter wurden gleich drei Kinder unter Zwang adoptiert. Sie erlitt einen Herzinfarkt und bezog IV. Die IV verlangt das Geld zurück. Das zu erlassen wäre ein guter Anfang - Zürich. Es ist vieles noch nicht ans Tageslicht gekommen, was im Namen von FSZM geschah/geschieht!
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