«Es geht in kleinen Schritten vorwärts»

Beraten, Aufklären, Anregen - seit 25 Jahren kümmert sich in der Stadt Zürich eine Fachstelle um die Gleichstellung von Mann und Frau. Trotz vielen Erfolgen geht ihr die Arbeit noch lange nicht aus.

Es geht in die richtige Richtung, aber es geht nur langsam vorwärts in Sachen Gleichstellung. So lautet das Fazit von Anja Derungs, die seit drei Jahren die Fachstelle für Gleichstellung in Zürich leitet.

Rollenbilder halten sich hartnäckig

Die Gründe, warum es mit der Gleichstellung nicht recht vorwärts geht, sind vielfältig: zum einen sind es Rollenbilder, die sich hartnäckig in den Köpfen halten. So denkt heute ein Drittel der Zürcherinnen und Zürcher, dass eher der Mann für den Unterhalt der Familie zuständig sein sollte. Fast die Hälfte glaubt, dass sich Frauen besser um kleine Kinder kümmern können als Männer. (Quelle: Bundesamt für Statistik).

Zum anderen ist die wirtschaftliche Lage heute angespannt: In vielen der 400 Anfragen, die pro Jahr an die Fachstelle gelangen, geht es um schwangere Frauen, die von ihrem Arbeitgeber unter Druck gesetzt werden.

Verantwortung nicht an Einzelne abschieben

Die Fachstelle abschaffen, wie das bürgerliche Politiker immer mal wieder fordern, kommt deshalb für Anja Derungs nicht in Frage: «Die Arbeit der Fachstellen ist die treibende Kraft, sie ist Initiatorin und bekämpft strukturelle Diskriminierungen.» Solche Diskriminierungen, sagt Derungs, könne man nicht an Einzelpersonen abschieben.

Die Fachstelle habe auch einiges an Erfolgen vorzuweisen: So wurde unter ihrer Federführung ein Projekt ins Leben gerufen, welches sich gegen häusliche Gewalt richtet. Für die nächsten vier Jahre besteht ein verbindlicher Gleichstellungsplan, mit vielen verschiedenen Massnahmen: Eine davon: Firmen, die Aufträge der Stadt Zürich erhalten, werden auf Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen überprüft.

Vom Zweifrau-Team zum Kompetenzzentrum

1989 haben zwei Drittel der Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher die Einführung einer Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau an der Urne abgesegnet. Am 1. Oktober 1990 nahmen die ersten Leiterinnen Zita Küng und Linda Mantovani Vögeli ihre Arbeit auf. Was damals in einem einfachen Büro mit zwei Pulten und einem Telefon startete, ist heute ein Kompetenzzentrum mit 8 Mitarbeiterinnen und 2 Mitarbeitern. An der Spitze steht seit 2012 Anja Derungs.

(kerf; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)