Gegen Fachkräftemangel: Den Traum vom Arzt als Pfleger leben

Wenn sie besser Bescheid über die Alternativen wüssten, würden mehr gescheiterte Medizinstudenten ein Studium in einem Gesundheitsberuf ins Auge fassen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (ZHAW).

Ein Arzt wäscht sich vor einer Operation

Bildlegende: Nicht alle eignen sich für den Arztberuf. Viele scheitern bereits an der Zulassungsprüfung. Keystone

Die Studie im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit sollte prüfen, ob Personen, die aufgrund der Zulassungsbeschränkung nicht Medizin studieren können, für andere Gesundheitsberufe gewonnen werden könnten.

Die Untersuchung zeigte unter anderem, dass sich überhaupt nur gerade 211 von 1500 abgewiesenen Medizinstudentinnen und -studenten mit dem Gedanken auseinandergesetzt hatten, ein Studium in einem Gesundheitsberuf zu absolvieren. Dies liege unter anderem daran, dass die meisten Studiengänge für Gesundheitsberufe, welche Fachhochschulen anbieten, neu und unbekannt seien, meint Julie Page, Professorin für Ergotherapie an der ZHAW und Mitverfasserin der Studie in einem Interview mit dem «Landbote».

Julie Page schlägt vor, dass Schülerinnen und Schüler bereits an den Gymnasien über Alternativen zum Medizinstudium informiert werden. Obwohl sich nicht alle gescheiterten Medizinstudenten für einen Gesundheitsberuf eignen würden, hätte die Studie doch gezeigt, dass viele von Ihnen nicht aus Prestige- oder Geldgründen Arzt werden wollten, sondern aus einem Bedürfnis heraus, Menschen zu helfen.

Page ist überzeugt, dass mit diesem brachliegenden Potential dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden könnte. Heute fehlen der Schweiz jährlich 2500 Berufsleute in verschiedenen Pflegeberufen. Fast gleich hoch war 2013 die Zahl der abgewiesenen Medizinstudenten.

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