Grossartiges Orchester - leere Plätze

Das Zürcher Kammerorchester will mit neuen Ideen das Publikum in die Tonhalle locken und das Loch in der Kasse wieder stopfen. Auf dem Programm der Saison 2014/15 stehen mehr Familienkonzerte, Mozart und Barock.

Nahaufnahme von zwei Musikern und einer Musikerin mit Cello im Zürcher Kammerorchester.

Bildlegende: Das Zürcher Kammerorchester setzt in der Saison 2014/15 auf Wiener Klassik und Barock. zvg

Die Bilanz des Zürcher Kammerorchesters fällt ernüchternd aus. Die Rechnung weist ein Minus von 300'000 Franken aus. Eine Bilanz, die im krassen Gegensatz zum musikalischen Niveau des Kammerorchesters steht. Das Orchester ist dank Chef-Dirigent Sir Roger Norrington in Top-Form und hat ein klares musikalisches Profil.

Trotz des hohen Niveaus und trotz grossartiger Konzerte blieben im grossen Saal der Zürcher Tonhalle in der vergangenen Saison viele Plätze leer. 2013 kamen vier Prozent weniger Besucher und Besucherinnen als noch im Vorjahr. «Es liegt vor allem an der Form, grosse Säle sind für ein Kammerorchester eine Herausforderung», sagt Direktor Michael Bühler gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Familien-Konzerte sind ein Renner

Einen durchschlagenden Erfolg hat das Zürcher Kammerkonzert mit den Familien-Konzerten, mit den Nuggi-, Krabbel- und Purzelkonzerten. Diese Konzerte, bei denen Babys, Kleinkinder und Erwachsene auf dem Boden sitzen, stossen auf grosse Begeisterung und sind stets ausverkauft. In der nächsten Saison wird deshalb eine weitere Reihe geschaffen, die abc-Konzerte für 5-7-Jährige.

Neue Ideen neben traditionellen Konzerten

Für Michael Bühler ist klar, dass es neue Konzertformen braucht, um auch neues und jüngeres Publikum zu gewinnen. Neben dem klassischen Repertoire mit der traditionellen Aufführungspraxis in der Tonhalle will das Zürcher Kammerorchester neue Orte finden, wo klassische Kammermusik in einem lockeren Rahmen präsentiert werden kann.

Die Saison 2014/15 mit Aussergewöhnlichem

Das Zürcher Kammerorchester setzt in der kommenden Saison auf wichtige Werke der Barockzeit und der Wiener Klassik. Chefdirigent Sir Roger Norrington dirigiert Mozart-Sinfonien, kombiniert jeweils mit anderen Mozart-Werken. Zum zweiten Mal ist über den Jahreswechsel die «Opera Box» mit zwei kleinen Operetten vorgesehen. Auf dem Programm steht auch noch eine ganz spezielle Produktion zum Thema «Gegen das Vergessen». Zum Gedenken an die Pogromnacht im November 1938 liest der Schauspieler Klaus Maria Brandauer Briefe des von Nazis ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer, umrahmt von Musik.