«Heb d’Schnurre Tell» - Ein frecher Schiller im Schauspielhaus

Wilhelm Tell ist in Mode. Nach dem Opernhaus, dem Theater Stadelhofen und dem Neumarkt spielt nun auch das Schauspielhaus Schillers Tell. Und wirft darin einen ziemlich kritischen Blick auf die Schweizer.

Walther und Tell auf der Bühne.

Bildlegende: Siggi Schwientek als Walther und Michael Neuenschwander als Tell. zvg

«Es Schüssli, es Schüssli», fordert Gessler laut und animiert das Premierenpublikum zum mitklatschen. Aber das Publikum will nicht. Tell schiesst trotzdem, der Schuss geht daneben und Walter stirbt in den Armen seines Vaters.

Rütlischwur

Bildlegende: Der Rütlischwur mit Fritz Fenne, Gottfried Breitfuss, Lukas Holzhausen. zvg

Dies ist nicht die einzige Änderung in Schillers Drama. Der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek verzichtet auch auf den grossen Teil des Personals. Er reduziert das Spiel auf drei Frauen und sieben Männer und konzentriert sich auf den Blick, den diese auf ihre Schweiz haben. «Wären wir doch allein im Land!», bringt es die Stauffacherin auf den Punkt.

Vulgäre Sprache und nackte Hintern

Ziemlich klamaukig beginnt der neue Tell auf der Pfauenbühne. Da rutscht dem Stauffacher ein «Heb d’Schnurre Tell!» über die Lippen und dieser grüsst den berühmten Hut mit seinen nackten Hinterbacken.

Das mag nicht allen gefallen. Aber je länger der Abend dauert, desto ruhiger wird die Inszenierung. Und nach fast zweieinhalb Stunden ohne Pause ist der Applaus gross, für das Schauspielerensemble und das Regieteam.