Sparen bei der Bildung Höhere Hürden für den Eintritt ins Berufsvorbereitungsjahr

Die Berufswahlschulen im Kanton Zürich sollen nur noch Jugendliche aufnehmen, die tatsächlich über ein «Bildungsdefizit» verfügen. Dieser Beschluss des Bildungsrates wird auf diesen Sommer umgesetzt. Die Berufswahlschulen setzen deshalb neu unter anderem auf ein Schreiben der Lehrpersonen.

Zwei Berufsschülerinnen besprechen einen Kleiderschnitt an einer Puppe während im Hintergrund ein Berufsschüler an der Nähmaschine sitzt.

Bildlegende: Wer noch nicht «reif» für eine Lehre ist, soll sich auch künftig im Berufsvorbereitungsjahr dafür fit machen. Keystone

Acht Kriterien für ein «Bildungsdefizit» listet der Katalog der acht öffentlichen Berufswahlschulen im Kanton Zürich auf. Während sich die ersten drei Kriterien an den Schulnoten orientieren, geht es bei den übrigen fünf Kriterien um «weiche Faktoren», etwa, dass sich Jugendliche für Lehrstellen interessieren, nicht aber die nötige Eignung dazu mitbringen oder schlicht noch nicht wissen, was er oder sie einmal werden möchte.

Neues Gütesiegel «Lehrperson»

Für eines der letztgenannten Zulassungskriterien benötigt ein Schüler oder eine Schülerin eine Bestätigung durch die Lehrperson oder die Schulleitung. «Die Lehrer kennen die Jugendlichen mit Abstand am besten und können uns bestätigen, dass etwa die Berufswahl nicht realitätsbezogen war», sagt Christian Albrecht, Rektor der Berufswahlschule Bülach.

Es können grundsätzlich also auch weiterhin Jugendliche mit genügenden Schulnoten im Kanton Zürich ein zehntes Schuljahr besuchen. Gleichzeitig hat der Zürcher Regierungsrat im Folge der Sparmassnahmen «Lü16» das Budget der Berufsvorbereitungsschulen gekürzt, um insgesamt 1,4 Millionen Franken pro Jahr.

Schliessung der Filiale Rheinau

Die Berufswahlschule Bülach schliesst deshalb ab kommendem Schuljahr ihre Filiale in Rheinau, die rund zehn Plätze für Jugendliche anbot, welche eine besonders enge Betreuung nötig hatten. Dies bestätigt Rektor Christian Amsler gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Im Profil Winterthur, der dortigen Berufsvorbereitungsschule, hat Rektorin Ljiljana Ilic bereits vorgesorgt. Als im vergangenen Jahr weniger Anmeldungen eintrafen, wurde eine Klasse geschlossen. Und sie kann sich durchaus vorstellen, dass sich die neuen Aufnahmekriterien für das zehnte Schuljahr weiter auf die Schülerzahlen auswirken, wenn auch nicht unmittelbar: «Meine Prognose ist, dass der Effekt erst im nächsten Jahr spürbar sein wird.» Alle an der Berufswahl beteiligten Personen und Institutionen müssten sich nämlich erst noch mit den neuen Zulassungsregeln vertraut machen.

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 06:32 Uhr)