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Regionaljournal Wochengast «In zehn Jahren fehlen uns 500'000 Arbeitskräfte»

Über 45-Jährige sind nicht häufiger arbeitslos als jüngere Werktätige. Sie brauchen aber häufig länger um eine Stelle zu finden. Das werde sich bald ändern, sagt Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Die Zukunft gehöre den älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Legende: Audio «Die Zeit arbeitet für die älteren Arbeitnehmer, glaubt Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt (12.3.17)» abspielen. Laufzeit 15 Minuten.
15 min

Im Kanton Zürich sind aktuell (März 2017) rund 33‘000 Menschen bei den RAV als arbeitslos gemeldet. Ein Drittel davon ist über 45 Jahre alt. Die gut ausgebildeten unter ihnen erhalten im Kanton Zürich seit zwei Jahren Hilfe von Mentoren. Diese begleiten und beraten die Arbeitslosen und stellen ihnen ihr Netzwerk zur Verfügung.

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, unterstützt dieses Projekt seit zwei Jahren und ist auch privat als Mentor tätig. Im Interview mit dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» spricht er über die Tücken des Arbeitsmarktes und mögliche Schwierigkeiten für über 45-jährige Arbeitssuchende.

Nachfolgend einige Kernaussagen:

Valentin Vogt zur Arbeitslosigkeit von gut ausgebildeten Arbeitstätigen ab 45:

  • «Sie sind statistisch gesehen nicht häufiger arbeitslos.»
  • «Häufig sind sie schon sehr spezialisiert. Sie brauchen länger, um eine passende Stelle zu finden.»
  • «70 Prozent der Stellen werden nicht ausgeschrieben. Es braucht deshalb persönliche Beziehungen.»
  • «Es gibt auch Leute, die schon alles wissen und alles können. Sie nehmen keine Hilfe an.»

Valentin Vogt verneint, dass Menschen über 50 stigmatisiert werden:

  • «Das ist ein Vorurteil, in vielen Unternehmen machen die Arbeitnehmer über 45 den grossen Teil der Belegschaft aus.»
  • «In den nächsten Jahren werden viele Werktätige pensioniert, die Unternehmen sind auf die älteren Arbeitnehmer angewiesen.»
  • «Unternehmen, die das begriffen haben, haben eine Zukunft, die anderen haben ein Problem.»
  • «Es ist eine Frage der Zeit. Der Druck auf die Arbeitgeber wird zunehmen, dann werden sie händeringend nach Leuten suchen.»

Über Valentin Vogt

Valentin Vogt ist seit 2011 Präsident des Arbeitgeberverbandes. Daneben sitzt er in diversen Verwaltungsräten, unter anderem bei den Industriefirmen Sulzer und Bucher.

Vogt studierte Wirtschaft an der Uni St. Gallen, ist 56 Jahre alt und Vater von zwei Kindern.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Der fettgedruckte Titel: "In 10 Jahren fehlen uns 500'000 Arbeitskräfte"! Natürlich, wenn die nimmersatte Wachstums-Wirtschaft so weiter macht (schönstes Kulturland mit einstöckigen Werkhallen verbaut!), durfte ja die MEI gar nie umgesetzt werden! Ich glaube (auch als älteren Grufti), dass es einfach nicht so weitergehen kann, Herr Vogt! Das Mittelland (zwischen den Alpen und dem Jura) wird in 20 Jahren zu einem "totalen Ameisenhaufen"! Industrie, Wohnungen, Strassen, Parkplätze, Geleise, usw.
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  • Kommentar von John Johnson (Kelten)
    Viele Arbeitgeber, vor allem Grosskonzerne, schreiben offene Stellen wie bisher auch zukünftig NUR im Ausland aus (primär in Deutschland). Einziger Grund: Ausländer arbeiten zu tieferen Löhne, als die Schweizer.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Das Haupthindernis gegen die Anstellung von Aelteren sind die viel hoeheren Pansionkassenbeitraege, welche die Arbeitgeber nicht beitragen wollen, wenns billigere und willigere junge Lohndoemper a Discretion gibt. Zudem werden die Lohndoemper durch Steuergeschenke verfassungswidrig auf Lebenshaltungskosten (zB Wohnungsmiete, Privatschule fuer Kinder) weiter verbilligt, von denen nicht einmal aus dem Ausland rueckwandernde Schweizer auch profitieren koennen....
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