Jungfernfahrt der Zürcher Durchmesserlinie ist geglückt

Die Zürcher Durchmesserlinie (DML) ist für den Betrieb bereit. In einer grossen Hauptprobe sind die ersten Testzüge durch den unterirdischen Bahnhof gefahren. Es ist das grösste innerstädtische Bahnprojekt der Schweiz. Und noch nie wurde für ein Probebetrieb ein derart grosser Aufwand betrieben.

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Fahrt durch die Zürcher Durchmesserlinie

0:34 min, vom 12.4.2014

Zügig verlässt die S-Bahn das hell erleuchtete Perron und taucht kurz danach ein in den Weinbergtunnel, der nach Zürich-Oerlikon führt. Nach wenigen Minuten erreicht der Zug auf der 4,6 Kilometer langen Berg- und Talfahrt eine Geschwindigkeit von 120 km/h.

Die Jungfernfahrt endet abrupt vor der Einfahrt in Oerlikon. Das Signal steht auf Rot und aus der Lautsprecheranlage kommt die Durchsage der Betriebszentrale Zürich-Flughafen: «Dieser Zug kann die Fahrt vorerst nicht fortsetzen. Grund ist ein Schwan im Tunnel. Bitte bleiben Sie im Zug.»

Alle möglichen Störungsfälle geübt

Lea Meyer, Mediensprecherin der SBB, gibt Entwarnung. Es handle sich um einen geplanten Stopp, klärt sie die Medienleute auf. Es sollte nicht der letzte unfreiwillige Halt im Tunnel an diesem Tag sein. Immer wieder wurden die Lokführer zum Halten und Warten im Tunnel gezwungen.

Einfahrender Zug im Bahnhof Löwenstrasse in Zürich.

Bildlegende: Einfahrender Zug im Bahnhof Löwenstrasse in Zürich. Am 15. Juni 2014 wird die Durchmesserlinie offiziell eröffnet. Keystone

Mit dem Probebetrieb 64 Tage vor der offiziellen Inbetriebnahme der DML übte die SBB mit ihrem Personal alle möglichen Störungsfälle und überprüfte dabei auch sämtliche Kundeninformationssysteme in den Zügen und am Bahnhof.

Auf den Perrons achteten rund 30 Beobachter darauf, dass die akustischen Durchsagen mit den optischen Angaben auf den elektronischen Anzeigetafeln übereinstimmten. Auch kleinste Details, wie etwa das Ausfahren der Trittbretter an die Perronkanten und die Haltepunkte der einzelnen Züge, wurden genau kontrolliert und Mängel in Protokollen festgehalten.

Am 15. Juni in Betrieb genommen

Noch nie sei für einen Probebetrieb ein derart grosser Aufwand betrieben worden, sagte Pascal Rechsteiner, der für die Inbetriebnahme zuständige Projektleiter. Für ein so grosses Projekt wie die DML sei dies aber nötig und gerechtfertigt. Es ist das grösste innerstädtische Bahnprojekt der Schweiz. Die 30 Lokführer – je zwei pro Führerstand – waren vorgängig in einer Videoschulung mit den Gegebenheiten auf der neuen Linie vertraut gemacht worden. Insgesamt werden für die DML 5000 Mitarbeitende geschult.

Als Meilenstein bezeichnete Gesamtprojektleiter Roland Kobel die Inbetriebnahme der Stellwerke vor einer Woche. Damit sei sichergestellt worden, dass die DML am 15. Juni für den S-Bahn-Betrieb freigegeben werden könne.

Die Fernverkehrszüge verkehren auf der neuen Strecke zwischen Zürich-Altstetten und Zürich-Oerlikon erst am Dezember 2015, wenn die Brückenbauwerke im Westabschnitt fertiggestellt sind. Mit dem Verlauf des Probebetriebes zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden.

Auf Herz und Nieren geprüft

Beim Testbetrieb verkehrten 60 Testzüge zwischen Wiedikon und Oerlikon. Zum Einsatz gelangten sämtliche Fahrzeugtypen der S-Bahn-Flotte, ein zweiteiliger Intercity-Neigezug (ICN) sowie ein IC2000.