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Zürich Schaffhausen Kein Apotheker-Sterben in Zürich und Winterthur

Seit zwei Jahren dürfen im Kanton Zürich auch die Ärzte in den grossen Städten Medikamente abgeben. Vor der Gesetzesänderung hatten die Apotheker gewarnt, ein Drittel der Apotheken werde verschwinden. Nun zeigt sich: Bisher mussten noch keine Apotheken schliessen.

Eine Apotheke, im Schaufenster drei Abstimmungsplakate mit grossem, gelbem Nein.
Legende: Im Abstimmungskampf warnten die Apotheker vor dem Apotheken-Sterben - hier in Zürich. Keystone

Die Apothekerinnen und Apotheker hatten sich erbittert gewehrt gegen den Volksentscheid vom November 2008. Damals hatte die Zürcher Stimmbevölkerung Ja gesagt dazu, dass Ärztinnen und Ärzte auch in den Städten Winterthur und Zürich Medikamente direkt in der Praxis abgeben dürfen. Bis vor Bundesgericht hatten die Apotheker den Volksentscheid gezogen und verloren.

Seit dem 1. Mai 2012 können Ärztinnen und Ärzte beim Kanton eine Bewilligung einholen für eine sogenannte «ärztliche Privatapotheke». 765 derartige Bewilligungen hat der Kanton bis Ende 2013 erteilt. Dies zeigt der Erfahrungsbericht der kantonalen Heilmittelkontrolle. Rund zwanzig Prozent der Ärzte in der Stadt Zürich sind damit auch Apotheker, in Winterthur sind es rund ein Drittel.

Alles Schwarzmalerei?

Im Vorfeld der Gesetzesänderung hatten die Apotheker stets vor einem Apotheken-Sterben gewarnt. Ein Drittel werde schliessen müssen. Der Bericht der Heilmittelkontrolle sieht dafür keine Anzeichen: «Die von den Apothekerinnen und Apothekern befürchtete vermehrte Schliessung von öffentlichen Apotheken in den Städten Zürich und Winterthur konnte bisher nicht beobachtet werden.»

Waren die Warnungen also nur Schwarzmalerei? Nein, betonen die Apothekerinnen und Apotheker. «Wir haben Umsatzeinbussen, nicht nur bei den Medikamenten, sondern auch bei anderen Produkten wie Salben», sagt Flavia Borsari, Präsidentin der Vereinigung der Winterthurer Apotheken, im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Heute würden noch die Kosten optimiert. Früher oder später würden aber bestimmt auch Apotheken schliessen müssen.

Pessimisten und Optimisten

Die schwierigen Zeiten sind laut der Winterthurer Apothekerin also noch nicht überstanden. Und in dieser Einschätzung erhalten sie Recht von der kantonalen Heilmittelkontrolle: «Die ärztliche Medikamentenabgabe in den beiden Städten dürfte sich erst mit zeitlicher Verzögerung auswirken.»

Lorenz Schmid, Präsident des kantonalen Apothekerverbands, ist weniger pessimistisch. «Die Apotheken können überleben, sie müssen sich einfach neu erfinden.» Etwa, indem sie auch rezeptpflichtige Medikamente in Eigenregie abgeben können. Ein entsprechendes Gesetz ist auf Bundesebene bereits in Arbeit.