«Man kann sicher nicht sagen, ohne Kesb wäre es anders gekommen»

Jurist Jonas Schweighauser ist Experte für «Kinderrecht» und einer der führenden Kinderanwälte der Schweiz. Im Tötungsdelikt an den beiden Kleinkindern von Flaach könne man beim jetzigen Informationsstand der Behörde keinen Vorwurf machen, sagt er.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) wird im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an zwei Kleinkindern in Flaach von allen Seiten scharf kritisiert. Kinderrechts-Spezialist Jonas Schweighauser sagt gegenüber Radio SRF aber: «Dass man jetzt sagt, mit einer anderen Behördenstruktur wäre sicher alles anders herausgekommen, dass ist ein Kurzschluss. Das kann man heute sicher nicht so sagen.»

Auch die Kriterien dafür, wann Kinder den Eltern weggenommen werden, hätten sich mit der Einführung der professionellen Kesb nicht geändert. «Da hat sich überhaupt nichts geändert. Allenfalls wird heute etwas genauer hingeschaut», hält Schweighauser fest.

Dass die Kinder während der Haft der Eltern in ein Heim gebracht wurden und nicht von den Grosseltern betreut wurden, kann Jonas Schweighauser nachvollziehen: «Grosseltern können eine Option sein, je nach Situation ist dies aber nicht unproblematisch. Grosseltern haben mehr Mühe, dem Druck der Eltern standzuhalten, wenn diese fordern, dass die festgelegten Regeln nicht eingehalten werden.»

Jonas Schweighauser ist Jurist in Basel und vertritt als Anwalt immer wieder Kinder in Sorgerechtsfällen als sogenannter Kinderanwalt. Zudem hält Jonas Schweighauser Vorlesungen an den Universitäten von Zürich und Basel.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)