Nathan, der Kühle im Aschenregen

«Nathan der Weise» von G. E. Lessing ist eher ein Lese- als ein Theaterstück. Und genauso bringt es Regisseurin Daniela Löffner auf die Pfauenbühne. Sie verzichtet auf Kulissen und Requisiten, lässt die Schauspieler oft an der Rampe stehen – nur viel Asche lässt sie auf die Bühne rieseln.

Mann sitzt auf einem Stuhl, über ihm Aschenregen

Bildlegende: Nathan im Aschenregen. In der Inszenierung auf der Pfauenbühne bleibt die Figur sehr distanziert. zvg Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Leer und schwarz ist die Pfauenbühne. Schwarz und verhüllt sind die Gestalten, die darauf ihre Gebetsteppiche ausrollen und zum Gesang des Muezzins auf die Knie sinken. Später werden sie auf der gleichen Bühne einen christlichen Choral anstimmen und ein jüdisches Liedchen trällern.

Die drei grossen Religionen werden auch musikalisch ganz gleichwertig dargestellt – und die Frage, welches denn nun die einzig Wahre sei, die bleibt auch nach dieser Premiere so offen wie eh und je.

Leise rieselt die Asche

Als einziges theatralisches Element lässt die Bühnenbildnerin Claudia Kalinski Asche auf die Bühne rieseln. Mal sanft und leicht, mal dicht und stürmisch. Nur wenn Robert Hunger-Bühler als Nathan zur Ringparabel ansetzt, stockt das Geriesel. Glasklar und sehr einsam ist das Bild von Nathan dem Weisen. Und sehr einsam stehen am Schluss alle Beteiligten auf der leeren Bühne – betrogen, um alles was sie hatten.

Starke Bilder und Momente gibt es immer wieder in diesem drei Stunden langen Theaterabend. Aber wenn man, wie es die Theologin Béatrice Acklin Zimmermann im Programm beschreibt, erwartet, dass einen diese Theateraufführung aufwühlt und aufkratzt, dann wird man enttäuscht. Zu distanziert ist das Geschehen auf der Bühne, zu kühl das Spiel.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)