Schauspielhaus: Der wenig diskrete Charme des Sebastian Nübling

«Der diskrete Charme der Bourgeoisie» von Luis Buñuel ist ein grossartiger Film, Sebastian Nübling ein geschätzter Regisseur. Die letzte Premiere des Jahres hatte die besten Voraussetzungen, ein Erfolg zu werden. Doch der Abend wurde zur langweiligen Show im schwarzen Lack-Ambiente.

Das Ensemble des Schauspielhauses tänzelt in Abendgarderobe auf einem Podest

Bildlegende: Die bourgeoise Gesellschaft präsentiert sich auf einer schwarz lackierten Varieté-Bühne. ZVG/Fotograf Toni Suter

Sebastian Nübling lässt Bossa Nova tanzen. Schon den ersten Auftritt legen die Schauspielerinnen und Schauspieler tänzelnd auf die schwarz lackierte Bühne. Und so wird es bleiben – die nächsten 80 Minuten. Denn schon Buñuels Figuren stehen nie still, schreibt Sebastian Nübling im Programmtext, darum mache das Tanzen für ihn Sinn.

Scheitern erlaubt

Es ist aber nicht nur der ständige Bossa Nova, der den Abend platt macht. Es sind auch die vollkommen überzeichneten Figuren. Da gibt es keine raffinierte Noblesse, dafür schrilles Gekicher, Po-Gewackel und Grimassen.

Beim Schlussapplaus stolperte der Regisseur Sebastian Nübling über das kleine runde Podest mitten auf der Bühne und fiel hin. Ein schönes Bild für einen Abend, der nicht so gelang, wie es sich die Beteiligten vielleicht wünschten. Jede Inszenierung ist ein Versuch. Und dass er misslingen kann, das gehört zum Theater.