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Zürich Schaffhausen Staatsanwältin kritisiert Freilassung von Gefängnisaufseherin

Die Gefängnisaufseherin, die Anfang Februar mit einem Häftling aus dem Gefängnis Limmattal ins Ausland geflüchtet ist, befindet sich seit Freitagmorgen wieder auf freiem Fuss. Die Staatsanwaltschaft ist damit gar nicht einverstanden.

Hier startete die Liebesbeziehung des Ausbrecherpaars: Im Gefängnis Limmattal.
Legende: Hier startete die Liebesbeziehung des Ausbrecherpaars: Im Gefängnis Limmattal. Keystone

Das Zürcher Obergericht hat überraschend entschieden, die 32-Jährige per sofort freizulassen. Wie das Obergericht gegenüber Journalisten bekanntgab, fiel der Entscheid am Donnerstagabend. Am Freitag wurde die Frau dann aus der Haft entlassen. Als Grund dafür gab das Gericht an, dass weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr bestehe.

Staatsanwaltschaft: «Nicht nachvollziehbar»

Die Aufseherin ist nicht vorbestraft, weshalb sie nur zu einer bedingten Strafe verurteilt werden dürfte. Sie in Haft zu lassen, sei angesichts dieser Tatsache nicht angezeigt. Das Gericht folgte somit einem Antrag ihres Anwalts, der mit einer Beschwerde die Freilassung verlangt hatte.

Die zuständige Staatsanwältin Claudia Wiederkehr zeigte sich auf Anfrage überrascht über den Entscheid des Obergerichts: «Für uns ist das nicht ganz nachvollziehbar. Wir sehen durchaus Haftgründe.» Schliesslich sei die Frau schon einmal geflohen, damit habe sie gezeigt, dass Fluchtgefahr bestehe. Deshalb habe ja auch ursprünglich das Zwangsmassnahmengericht entschieden, die Frau in Untersuchungshaft zu setzen.

Urs Huber, Pflichtanwalt der Aufseherin, begrüsste den Entscheid des Obergerichts: «Meine Mandantin möchte ja dort sein, wo ihr Geliebter ist. Da dieser in Haft sitzt und bald an die Schweiz ausgeliefert wird, ist die Gefahr einer erneuten gemeinsamen Flucht nicht gegeben.» Wie Huber weiter erklärte, darf seine Aufseherin nun die Schweiz vorübergehend verlassen, zum Beispiel für Ferien.

Sechseinhalb Wochen auf der Flucht

Die 32-jährige Frau und der 27-jährige Häftling waren in der Nacht auf den 9. Februar aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon geflohen. Die Gefängnisaufseherin hatte den Mann, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte, aus seiner Zelle befreit.

In einer Videobotschaft bezeichnete sie den verurteilten Vergewaltiger als «Mann meines Lebens». Ende März wurden die beiden in Italien verhaftet.

Mitte April wurde die Aufseherin von Italien an die Schweiz ausgeliefert. In der darauffolgenden Befragung hat sie sich geständig gezeigt. Ihr Freund befindet sich nach wie vor in Italien in Haft. Er dürfte in den nächsten Tagen an die Schweiz ausgeliefert werden. Im Gegensatz zur Aufseherin machte er sich mit dem Ausbruch aus dem Gefängnis nicht strafbar. Allerdings dürfte er seine Chancen auf Hafterleichterung oder vorzeitige Entlassung verspielt haben.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Die Staatsanwältin hat vollkommen recht. Und Freude wird herrschen, wenn sie wieder In irgend einem Land gefasst werden muss. Sie darf sich laut Bericht, auch gewisse Zeit ausserhalb der Schweiz aufhalten. Es ist doch einfach ein Unding, dass eine Gefängniswärterin mit einem Häftling abhaut. Liebe hin oder her. Und Seich hat sie sicher nicht nur gebaut, sondern ihre Amtspflicht massiv verletzt.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Sie ist kriminell. Sie hat freiwillig den Job als Wächterin gemacht und ist dafür bezahlt worden und man hat von ihr Zuverlässigkeit erwartet. Sie hat aber ihren Job nicht erledigt, sondern sie hat sich über das Gesetz gestellt und einen Straftäter aus der Haft entlassen.
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Sie ist m. M nicht geflohen, sondern mit dem Geliebten abgehauen; kleiner Unterschied. Sie ist auch nicht eine wirkliche Kriminelle, welche jetzt die Allgemeinheit bedroht. Sie war einfach durch vermeintliche Liebe verblendet und in Folge blöd. So what? Es kommt zu einem Prozess, es wird wahrscheinlich eine bedingte Haftstrafe und eine Geldbusse geben. Ich sehe keinen Grund, weshalb sie jetzt nochmals aus der Schweiz "fliehen" sollte?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Sind Sie sicher, dass sie mit ihm und nicht er mit ihr geflohen ist? Und ich weiss nicht so genau was der Unterschied von abgehauen oder geflohen sein soll. Aber sie war eine Fachfrau des Strafvollzugs, die so ungefähr alles Verraten hat was sie hatte, warum sollte sie das nicht wieder tun?
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Gegen das Gesetz zu verstossen und als "nicht wirklich Kriminelle" gelten wollen ja vor Gericht einige Angeklagte. Nach diesem Argument könnte man jegliche kriminelle Akt als durch irgendetwas (Liebe, Geld, Wut, Angst, Aliens, "verblendet und in Folge blöd" darstellen. Und wenn jemand, dann ausgerechnet die Angeklagte müsste das geltende Gesetz kennen... Also netter Versuch, doch ihr Argumentarium zieht nicht, sorry.
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