Stadtrats-Ersatzwahl Zürich: Zweiter Wahlgang ist nötig

Weder Camin, Wolff noch Hodel. Im 1. Wahlgang hat keiner der Kandidaten den Einzug in die Zürcher Stadtregierung geschafft. Am 21. April kommt es nun zu einem 2. Wahlgang.

Zürcher Stadthaus.

Bildlegende: Wer zieht neu ins Zürcher Stadthaus ein? Keystone

Es war die Überraschung des Tages: Richard Wolff, der Kandidat der Alternativen Liste, einer Partei mit vier Prozent Wähleranteil, kam dem Kandidaten der FDP, Marco Camin, sehr nahe.

Zwar konnte Marco Camin mit 24'184 Stimmen am meisten Wähler hinter sich scharen, er verfehlte aber das absolute Mehr um über 6500 Stimmen. Dicht hinter Camin lag der AL-Kandidat Richard Wolff mit 22'050 Stimmen, er erreichte also nur rund 2000 Stimmen weniger. Deutlich weniger erfolgreich war Daniel Hodel (GLP) mit 12'185 Stimmen. Chancenlos auf dem letzten Platz landete der parteilose Toni Stadelmann mit 538 Stimmen.

Camin will nochmal - SVP droht mit Entzug der Unterstützung

Marco Camin ist sicher, dass er zum zweiten Wahlgang wieder antritt. Bei vier Kandidaten das absolute Mehr zu erreichen sei schwierig, meinte er. Der erste Platz mache ihn darum stolz und gebe ihm Kraft für den zweiten Wahlgang. Allerdings droht Ungemach von Seiten der SVP: Sie droht, dem FDP-Kandidaten die Unterstützung zu entziehen. «Es liegt in der Hand von FDP und Marco Camin. Falls wir ihn weiter unterstützen, müssen sie Position beziehen und unsere Wähler an Land ziehen - mit klaren Aussagen. Sonst wird es nicht reichen», sagt Roger Liebi, Präsident der Stadtzürcher SVP, gegenüber dem «Regionaljournal.» Auf die Frage, ob die SVP allenfalls noch einen eigenen Kandidaten bringe, antwortete Liebi unbestimmt: «Man muss jetzt zuerst die Lage analysieren.»

Die AL will am Dienstagabend entscheiden, ob sie beim zweiten Wahlgang antreten wird. Kandidat Richard Wolff zeigte sich allerdings überglücklich über seinen zweiten Platz und geht davon aus, dass er nochmal antritt: «Meine Chancen sind sicher gestiegen.»

Enttäuschte GLP entscheidet am Montagabend

Auch die GLP wollte sich noch nicht zum zweiten Wahlgang äussern. Ihr Kandidat Daniel Hodel landete abgeschlagen auf dem dritten Platz. «Wir haben uns sicher mehr erhofft», gab denn auch ein enttäuschter Hodel zu Protokoll. Sie würden am Montagabend einen Entscheid fällen, sagte GLP-Gemeinderat und Co-Präsident Martin Luchsinger.

Die Grünliberalen hatten auf den zweiten Platz gehofft. Luchsinger vermutete, dass die Abzockerinitiative viele Stimmbürger mobilisiert hatte und diese den AL-Kandidaten wählten.

Die Ersatzwahl war notwendig geworden, da Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP) im Mai zurücktritt – ein Jahr vor Ablauf der Legislatur. Heute setzt sich der Zürcher Stadtrat aus vier Vertretern der SP, je zwei von FDP und Grünen sowie einem der CVP zusammen.

Am 21. April kommt es zum zweiten Wahlgang. Dann wird nicht mehr das absolute Mehr erforderlich sein, sondern es gilt nur noch das relative Mehr. Wer mehr Stimmen holt, ist gewählt.

Wahlen in den Zürcher Stadtrat

Resultat erster Wahlgang
Kandidierende
Absolutes Mehr-----------------30'339
Marco Camin (FDP)24'184
Richard Wolff (AL)22'050
Daniel Hodel (GLP)12'185
Toni Stadelmann (parteilos)538