Weniger Lehrer im Klassenzimmer

Der Kanton Zürich startet einen neuen Schulversuch: So soll die Anzahl Lehrpersonen pro Klasse begrenzt werden. Oberstes Ziel ist es, die Lernbeziehung zwischen Schulkind und Lehrerin zu verstärken. Zudem sollen Lehrer weniger koordinieren müssen. Der Lehrerverband freut sich.

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Weniger Lehrer

3:43 min, aus Schweiz aktuell vom 24.1.2013

Die Beziehung zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern soll stabil und tragfähig sein. Dieses Ziel setzt sich die Zürcher Bildungsdirektion für die laufende Legislatur.

Um diesem Ziel näher zu kommen, startet die Bildungsdirektion in diesem Sommer einen Schulversuch «Fokus: Starke Lernbeziehungen». In diesem Versuch gibt es pro Klasse weniger Lehrerinnen und Lehrer und die Mittel aus den diversen Förder- und Unterstützungsmassnahmen werden neu eingesetzt. Die Lehrpersonen unterrichten in der Regel alle Fächer. Massnahmen wie Deutsch als Zweitsprache, Integrative Förderung oder die Begabtenförderung werden in den normalen Unterricht integriert.

Nebenwirkung: Vereinfachter Schulalltag

Schüler verabschiedet sich von Lehrerin.

Bildlegende: Schulversuch «Fokus: Starke Lernbeziehungen»: Weniger helfende Hände pro Klasse. Keystone

Durch diese Massnahmen soll aber nicht nur die Beziehung von Lehrperson und Schulkind gestärkt werden, sondern auch der Schulalltag vereinfacht und der Koordinationsaufwand verkleinert werden. Dies entspricht laut Bildungsdirektion dem Wunsch vieler Schulden und Gemeinden.

Der Regierungsrat hat für diesen sechsjährigen Schulversuch insgesamt 4,9 Millionen Franken bewilligt. Für die Schulgemeinden entstehen keine Mehrkosten. Die erste Etappe startet im Sommer 2013. Teilnehmen können 200 bis 350 Kindergarten- und Primarschulklassen.

Stefan Fritschi, Schulvorstand der Stadt Winterthur.

Bildlegende: Stefan Fritschi, Schulvorstand der Stadt Winterthur. SRF

Stadt Winterthur macht mit

Ab Sommer 2014 wird sich auch die Stadt Winterthur an dem Versuch beteiligen. Gemäss Schulvorstand Stefan Fritschi soll aus jedem der sieben Schulkreise ein Schulhaus oder ein Kindergarten mitmachen. Fritschi erhofft sich eine Beruhigung im Klassenzimmer. «Die Kinder müssen im Fokus stehen», sagt er.

«Die Kinder sollen Lernfortschritte machen können, weil sie weniger Bezugspersonen haben. Ich erhoffe mir aber auch Verbesserungen fürs Lehrpersonal. Die Lehrer werden nun für eine einzige Klasse verantwortlich sein, nicht mehr für vier bis fünf. Und für die Schulverwaltung dürfte der Aufwand deutlich kleiner werden.»

Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ZLV reagierte mit Freude auf den Versuch. Der Lehrerberuf werde damit aufgewertet und die Belastung der Lehrer werde abnehmen.

Reaktionen positiv

Die Reaktionen auf den Versuch fallen positiv aus. Selbst die SVP, die Schuelversuche stets kritsch begleitet, findet, «der Versuch geht in die richtige Richtung», wie Kantonsrat Rochus Burtscher erklärt. Lilo Lätsch vom Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband begrüsst den Versuch ebenfalls.

Auch Beatrice Kronenberg vom Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik beurteilt den Versuch positiv. Dies, obwohl die Sonderpädagogen ins zweite Glied zurücktreten. Sie beraten die Lehrer nur noch. Um die Zahl der Bezugspersonen für die Kinder zu entlasten, sei der Versuch jedoch richtig, sagt Kronenberg. «Im Versuch muss aber genau geprüft werden, wie es sich auswirkt, dass die Sonderpädagogen nicht mehr direkt mit den Kindern arbeiten».