Dank Mentoren zu neuem Job «Wer einen 50-Jährigen entlässt, stiehlt seine Identität»

Selbst eine gute Ausbildung schützt nicht vor Arbeitslosigkeit. Und auch nicht davor, keine neue Stelle mehr zu finden. Ältere, gut ausgebildete Arbeitnehmer erhalten im Kanton Zürich seit zwei Jahren Hilfe von Mentoren. Mit Erfolg.

Zwei Männer sitzen sich gegenüber.

Bildlegende: Selbstwertgefühl aufbauen, Türen öffnen: So helfen die Mentorinnen und Mentoren den Arbeitslosen. Keystone

  • 70 Prozent der Stellen werden nicht ausgeschrieben.
  • Netzwerke sind der Schlüssel zum Erfolg bei der Arbeitssuche.
  • 300 Mentorinnen und Mentoren halfen in den letzten zwei Jahren 600 Teilnehmern bei der Stellensuche.
  • 40 Prozent der Arbeitslosen haben so eine neue Stelle gefunden.

Mathias Dick war selbst lange arbeitslos, wurde gar ausgesteuert. Und sagt heute: «Die Wirtschaft kann mit 50-Jährigen nicht umgehen.» Der 53-Jährige wollte sich eigentlich beim RAV darüber beschweren, dass er zu wenig Unterstützung erhalten habe und hat so vom Mentoring-Programm erfahren. Nun hilft er als Mentor anderen Arbeitslosen, eine Stelle zu finden.

«  Wer einem 50-Jährigen die Stelle wegnimmt, nimmt seine Identität weg. Seinen Ruf, seine soziale Stellung. »

Mathias Dick
Mentor

Mathias Dick, unterdessen selbständiger Berater, stellt seinen Schützlingen sein Netzwerk zur Verfügung. Denn die grosse Mehrheit der freien Stellen findet man weder in Zeitungen noch im Internet. «70 Prozent der Stellen werden gar nicht ausgeschrieben», sagt Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes, der das Projekt aus Zürich unterstützt.

«  Die grosse Mehrheit der Stellen wird nicht ausgeschrieben.  »

Valentin Vogt
Präsident des Arbeitgeberverbandes

Türen öffnen ist also eine Aufgabe der Mentorinnen und Mentoren. Doch dabei bleibt es nicht. Zentral sei, dass die Arbeitslosen wieder lernten, sich zu verkaufen, sagt Matthias Dick. Das funktioniere aber nur, wenn sie nicht noch andere Probleme hätten. «Wer neben der Arbeitslosigkeit noch Geldsorgen oder Beziehungsprobleme hat, profitiert nicht vom Mentoring.»

Arbeitslose sehr zufrieden

Doch wie erfolgreich ist das Programm wirklich? Dies wollte der Kanton Zürich zwei Jahre nach Beginn herausfinden. Er hat deshalb die Mentoren und Teilnehmerinnen befragt. Das Resultat: Die überwiegende Mehrheit ist sehr zufrieden.

«  Die Teilnehmer gewinnen Selbstvertrauen und die Sicherheit, dass sie einen Job finden.  »

Mario Frei
Leiter des Mentoring-Programms

70 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben an, dass ihre Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen worden seien. Von 600 Arbeitslosen haben 240 wieder eine Stelle gefunden.

So funktioniert das Mentoringprogramm:

Arbeitslose über 45 oder hochqualifizierte Stellensuchende können sich von einem Mentor beraten lassen. Mit ihrem Netzwerk sollen die Mentoren Türen öffnen und ihnen zu Stellen verhelfen, die sie sonst nicht gefunden hätten.

Das Programm ist freiwillig, sowohl für Mentorinnen wie für die Arbeitlosen. Bisher haben 600 Arbeitslose teilgenommen, 300 Mentorinnen und Mentoren sind registriert.