Zürcher Stadtparlament betreibt «es bitzeli Heimatschutz»

Wer in der Stadt Zürich wohnt und hier Steuern zahlt, soll schneller einen Bootsstandplatz erhalten als Auswärtige. Die übliche Wartezeit von mehr als zwanzig Jahren hält eine Mehrheit des Parlaments nämlich für eine Zumutung. Der SVP-Vorstoss hat allerdings einen Haken.

Segelboote reihen sich am Hafen Enge in der Stadt Zürich

Bildlegende: Sie gehören zu den Glücklichen, die einen der begehrten 2300 Bootsplätze der Stadt Zürich ergattert haben. Keystone

Die Warteliste für einen Bootsstandplatz der Stadt Zürich ist lang, sehr lang. Aktuell umfasst sie rund 1300 Personen, die einen der 2300 Plätze ergattern möchten. Und sie zahlen jedes Jahr eine Gebühr, um auf der Liste bleiben zu können. Denn der einzige Weg zum Ziel ist draufbleiben - so lange, bis man selber einmal zuoberst steht und nach durchschnittlich zwanzig Jahren - und wohl einigen gefühlten Jahren mehr - zu den Glücklichen gehört.

Zürcher weichen an Obersee aus

Gemeinderätin Katharina Widmer (SVP), die selber 40 Jahre lang einen Bootsplatz nutzen konnte, hält diese lange Frist für unzumutbar. In einem Postulat schlug sie nun vor, dass Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher bei der Vergabe von Bootsplätzen zu bevorzugen seien. Es könne ja nicht sein, dass Stadtzürcher an den Obersee fahren, weil sie dort schneller einen Standplatz erhalten und gleichzeitig die Zürcher Hafenverwaltung ihre Standplätze an Auswärtige vergibt. «Ist das denn vernünftig?», fragte Widmer. Und Parteikollege Urs Fehr doppelte nach: «Ein bisschen Heimatschutz darf nun wirklich sein!»

Der Vorstoss erhielt viele Sympathien, auch die des Stadtrats, wie der zuständige Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) versicherte. Trotzdem könne er das Anliegen nicht unterstützen. Die Bootsplatzvergabe sei nämlich kantonal geregelt, und der Kanton schreibe eine Gleichbehandlung vor, auch was das Führen von Wartelisten betrifft. Die SVP müsste also ihr Anliegen im Kantonsrat platzieren, der Gemeinderat sei der falsche Ort, so Wolff.

Wie genau nimmt es der Kanton mit der Gleichbehandlung?

Diese Aussage sorgte für einiges Erstaunen im 135-köpfigen Parlament. Offenbar halten es nämlich andere Zürcher Seegemeinden nicht so genau mit der betreffenden Vorschrift des Kantons und bevorzugen durchaus Gemeindeeinwohner bei der Bootsplatzvergabe. Gemeinderat Reto Vogelbacher (CVP) fragte sich: «Wieso ist eine solche Regelung denn in anderen Zürcher Seegemeinden möglich?»

Es ist nicht auszuschliessen, dass sich der Vorstoss aus dem Zürcher Stadtparlament als Bumerang erweist und der Kanton bei anderen Seegemeinden nun etwas genauer hinschaut. Das Anliegen der Stadtzürcher ist jedenfalls nun beim Stadtrat deponiert - der Gemeinderat überwies das Postulat mit den Stimmen der SVP, FDP und CVP. Die SP enthielt sich der Stimme, Grüne, Grünliberale und AL sagten Nein.

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 06:32 Uhr)