Zugunfall Rafz: «Zufall und Pech»

Hans-Ruedi Schürch ist der oberste Lokführer der Schweiz. Der Zugunfall von Rafz sei eine Verkettung von unglücklichen Zufällen, ist der 48-jährige überzeugt. Ein Signal zu übersehen könne jedem passieren, ist der Präsident des Lokpersonalverbandes (LPV) überzeugt.

Lokführer Hans-Ruedi Schürch kennt die Züge, die Zugstrecke und den Bahnhof Rafz aus eigener Erfahrung. Es sei erst ein paar Wochen her, dass er diese Strecke selbst befahren habe, so Schürch. Und der 48-jährige ist überzeugt, ein solcher Fehler, ein Signal falsch zu interpretieren, hätte auch ihm passieren können. «Jeder Lokführer ist sich bewusst, dass einem so etwas unterlaufen kann, so etwas macht niemand mit schlechten Absichten».

Es müsse deshalb das Ziel sein, dass jede Sicherheitslücke durch ein Zugsicherungssystem abgesichert werde, so die Forderung von Schürch. Grosse Hoffnung setzt der Präsident des Lokpersonalverbandes in eine neue Warn-App, die die Lokführer schon bald auf ihren Tablets installieren können. Diese leuchtet auf, sobald ein Rotlicht überfahren wird.

Der Druck steigt

Hans-Ruedi Schürch ist seit 30 Jahren für die SBB als Lokführer unterwegs. Für den Winterthurer nach wie vor ein toller Beruf. Aber auch einer, den er nur unter gewissen Bedingungen weiterempfehlen könne. Der Druck habe im Laufe der Jahre schleichend zugenommen. Zum Beispiel sei man als Lokführer enorm einsam. Rangierarbeiter, Zugbegleiter, Bahnhofinspektoren: alle seien in den letzten Jahren verschwunden, wegrationalisiert worden. «Als Lokführer muss man den privaten Bereich gut planen», ansonsten laufe man Gefahr zu vereinsamen, so Schürch.