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Mindestlohn-Initiative «Arena»: Faire Löhne – zu welchem Preis?

Erst die «Abzocker-Initiative», nun die «1:12»- und die «Mindestlohn»-Initiative. In der Schweiz hat Lohnpolitik derzeit Hochkonjunktur. Kann sich aber der Wirtschaftsstandort Schweiz existenzsichernde Löhne leisten? In der «Arena» lieferten sich Befürworter und Gegner ein heftiges Wortgefecht.

Legende: Video Faire Löhne: Zu welchem Preis? abspielen. Laufzeit 77:00 Minuten.
Aus Arena vom 03.05.2013.

16,50 Franken pro Stunde, so viel verdient eine Schuhverkäuferin beim deutschen Discounter Reno. Das berichtete die «Rundschau» diese Woche. Das ist aber kein Einzelfall – rund ein Drittel der Verkäuferinnen in der Schuhbranche verdient weniger als 4‘000 Franken.

Löhne unter 4‘000 Franken gibt es aber nicht nur in der Schuhbranche. Gegen 400‘000 qualifizierte Berufsleute kommen mit ihrem Einkommen kaum über die Runden. Besonders betroffen sind laut den Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) der Detailhandel, rund 140'000 Lehrabgänger und vor allem Frauen.

Hier setzt die Initiative der Gewerkschaften an. Sie verlangen existenzsichernde Einkommen für alle Branchen. Zielgrösse ist ein Minimalstundenlohn von 22 Franken.

«Bei diesen 140‘000 Betroffenen sind 70 Prozent älter als 25 Jahre, sie arbeiten in Brachen ohne Gesamtarbeitsverträge und haben so nie eine Chance auf einen grünen Zweig zu kommen», sagte SP-Präsident Christian Levrat.

Viele von Ihnen seien daher auf Sozialhilfe angewiesen. Damit würden einzelne Branchen quasi von versteckten Subventionen profitieren, so Levrat weiter.

Jobkiller Mindestlohn

Gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen betrage der Anteil im Tieflohnsegment zwischen drei und vier Prozent, entgegnete der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Thomas Daum. Deshalb die Schweizer Lohnpolitik infrage zu stellen, sei falsch.

«Dank dieser Niedriglohn-Branche haben wir in der Schweiz eine hohe Zahl an Beschäftigten», so Daum. «Für uns hat Beschäftigung oberste Priorität. Wenn es geht, zu einem guten Einkommen. Der Lohn stösst aber da und dort auch an seine Grenzen.»

Zusätzliche Lohnkosten erhöhten den Druck auf verschiedene Bereiche der Wirtschaft. Mit einem gesetzlichen Mindestlohn seien daher Arbeitsplätze gefährdet, argumentierte der Wirtschaftsvertreter. Schlussendlich entscheide der Konsument und dieser akzeptiere nur äusserst selten höhere Kosten.

GAV als Alternative

Wenig Verständnis zeigte Levrat für diese Argumentation. Es gehe nicht in erster Linie um den Konsumenten, sondern um die Margen. Hier verlangte der SP-Parteipräsident eine andere Verteilung. Es gehe nicht an, dass Firmenbesitzer auf Kosten der Arbeitnehmer satte Gewinne einstreichen.

Trotz teils heftiger Debatte gebe es durchaus eine Alternative zur Mindestlohninitiative – nämlich Gesamtarbeitsverträge, so Christian Levrat. Würde hier Verhandlungsbereitschaft signalisiert, dann wäre eine Volksinitiative zur Korrektur von Lohnmissständen überflüssig.

Die Teilnehmer

  • Thomas Daum, Direktor Arbeitgeberverband
  • Christian Levrat, Präsident SP, Ständerat SP/FR

36 Kommentare

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  • Kommentar von Anna Holder, Zürich
    Mich erstaunt immer wieder die Argumentationsweise der Linken. Rechts kommt man mit volkswirtschaftlichen Modellen aus dem ersten Semester, die zeigen wollen, dass Mindestlöhne zu einem Angebotsüberhang sprich - mehr Arbeitslosigkeit führen. Dabei kann man dieses Argument genau so einfach ökonomisch widerlegen. Schon Henry Ford hat seinen Arbeitern für die damalige Zeit hohe Löhne gezahlt. Sein Argument war immer, dass sich seine Arbeiter die Autos, welche sie herstellen auch leisten können.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    A. Käser,das Recht auf Existenz hat jedenfalls 2 Seiten,nicht nur beim AG.Auch AN sollen Zuverlässigkeit+Fleiss an den Tag legen,aus-+fortgebildet sein,die Sprache beherrschen, rechnen können.Jedem AN undifferenziert 4000 nachzuwerfen,ohne Berücksichtigung jeweiliger Umstände,ist ein total falsches Signal.S/meinen Beitrag vom 4.6./20.06.Ich lebe willentlich gut+bescheiden nur von meiner AHV,4000 sind definitiv unsinnig und erforderten zwangsläufig eine Anhebung aller andern Löhne.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Die heutige Perversion: der AN soll sich selber ausbilden und ohne Job Berufserfahrung sammeln, sich neben dem 100%-Jobengagement mit 2h-Fahrweg pro Strecke abends noch selber auf eigene Kosten weiterbilden, und das zu einem Lohn von knapp 3500 Franken. Ich weis nicht als was sie gearbeitet haben/arbeiten - aber es kann kein "normaler Job" (vgl. KV, od. LKW-Fahrer) ohne Kaderfunktion/Studium sein, sonst wüssten Sie das man mit 3500/Monat nicht Leben UND Weiterbildung bezahlen kann!
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Abzocken einmal umgekehrt. Anders kann man diese Initiative wohl nicht bezeichnen. Wenn Rentner mit 1500-1800 CHF auskommen müssen wieso muss dann eine arbeitende Person 4000 CHF haben ? Ich denke eine gezielte Unterstützung von (RICHTIGEN) Familien wäre viel eher angebracht. Gehört das Auto zum LEBENSSTANDARD ? Verzichten bringt 6000-10000 CHF/Jahr an Einsparung, mit einem Bruchteil kann man den OEV benutzen. Die Initiative ist für mich unausgegoren und nicht akzeptierbar.
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