Mehr oder weniger Lastwagen am Gotthard?

Beide sind Mitglied der nationalrätlichen Verkehrskommission, beide vertreten bezüglich des zweiten Strassentunnels durch den Gotthard aber entgegengesetzte Standpunkte: Die Grüne Regula Rytz rechnet im Falle einer Annahme mit mehr, Ulrich Giezendanner von der SVP mit weniger Transitgüterverkehr.

Der Bundesrat beschreibt den Gotthard-Strassentunnel als Herzstück der Nord-Süd-Achse. Um ihn zu sanieren, möchten Regierung und Parlament einen «Bypass» legen – eine zweite Röhre, damit der Verkehr während der ganzen Sanierung fliesst.

Regula Rytz mit Brille, hinten links eine gelbe Lichtquelle.

Bildlegende: Regula Rytz vertritt das Lager, das am 28. Februar Nein stimmen wird. Keystone

CONTRA:

Die Gegner kritisieren diese Variante als zu teuer und im Widerspruch zum vom Volk beschlossenen Alpenschutzartikel. Sie sprechen von einer drohenden Lastwagenflut, einer Transithölle – doch ist das nicht übertrieben?

Nationalrätin Regula Rytz von den Berner Grünen widerspricht. «Wenn wir einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard bauen, rollen wir dem internationalen Transitgüterverkehr den roten Teppich aus. Das ist gegen die Verfassung, unnötig und eine teure Lösung, die viele Gefahren birgt.»

Die Gegnerin der zweiten Röhre geht davon aus: «Wenn der Tunnel gebaut wird, ist das eine Kapazitätsverdoppelung. Verkehrsministerin Doris Leuthard behauptet, man brauche davon dann nur die Hälfte. Das ist etwas, das heute niemand glaubt.» Über kurz oder lang werde die ganze Kapazität genutzt werden, befürchtet sie. «Und dann gibt es in dem schon heute extrem verkehrsgeplagten Tessin mit der schlechtesten Luft der Schweiz eine generelle Verdoppelung des Verkehrs.» Es gelte, die Bevölkerung zu schützen.

«  Bauen wir die Röhre, rollen wir dem internationalen Transitgüterverkehr den roten Teppich aus. »

Regula Rytz

Ulrich Giezendanner vor schwarzem Hintergrund.

Bildlegende: Ulrich Giezendanner erwartet sogar einen Rückgang der Lastwagen auf der Gotthardstrecke. Keystone

PRO:

Der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner will nichts von einem drohenden Mehrverkehr auf der Nord-Süd-Achse wissen: «Der Tunnel hat nichts mit Lastwagen zu tun. Diese gehören auf die Schiene.» Seiner Meinung nach geht es beim Projekt zunächst um einen Sanierungs-, und dann um einen Sicherheitstunnel.

Auf der Seite der Befürworter sei man sich einig: «Wir wollen nicht mehr Lastwagen, die durchfahren. Jeder Unternehmer, der rechnet, will gar nicht durch den Gotthard fahren, der geht auf die Bahn.» Diese sei viel billiger, so Giezendanner, der selbst Transportunternehmer ist. «Vor allem jetzt, da die Schwerverkehrsabgabe und die mittlere Transitgebühr noch einmal angehoben werden. Der Verlagerungsbericht wird es zeigen: Die Bahn wird in den nächsten Jahren massiv zulegen.»

«  Jeder Unternehmer, der rechnet, will gar nicht durch den Gotthard fahren, der geht auf die Bahn. »

Ulrich Giezendanner

Er glaube Bundesrätin Leuthard, wenn sie sage, es werde trotz des zweiten Tunnels in jede Richtung nur eine Spur genutzt werden. «Es gibt nicht mehr», schliesslich stehe es in der Verfassung, dass die Kapazität nicht erhöht werden dürfe.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ulrich Giezendanner und Regula Rytz.

    Abstimmungskontroverse zur Sanierung des Gotthard-Strassentunnels

    Aus Rendez-vous vom 1.2.2016

    Braucht der Gotthard-Strassentunnel eine zweite Röhre? Zwei Mitglieder der nationalrätlichen Verkehrskommission diskutieren: SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner will den zweiten Tunnel, Regula Rytz von der Grünen Partei vertritt die Gegenseite. Diskussionsleitung: Christine Wanner.