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2. Gotthard-Röhre Nur je eine Spur am Gotthard: Wie sagen wir's den Europäern?

Der Widerstand gegen einen zweiten Gotthard-Strassentunnel wird immer breiter. Bisher wurde das Bauvorhaben vor allem aus dem rot-grünen Lager bekämpft. Nun aber tritt ein bürgerliches Komitee gegen eine zweite Gotthard-Röhre an.

Eine Kuh über dem Gotthardnordportal, im Hintergrund Stau
Legende: Je zwei Spuren am Gotthard würden bei den Nachbarn Begehrlichkeiten wecken, befürchtet ein bürgerliches Komitee. Keystone/Archiv

Gesetzt den Fall, dass die zweite Röhre am Gotthard bereits gebaut wäre, gäbe es zwei Fahrstreifen in jede Richtung. Aber nur je einer dürfte geöffnet werden.

Dem Schaffhauser Ständerat Thomas Minder graut vor diesem Szenario: «Das gibt ein Debakel. Ich sehe schon die Millionenkampagne des Bundes im europäischen Raum, um zu sagen, ‹liebe Europäer, wir haben zwar vier Spuren, aber wir dürfen nur zwei öffnen›.»

Dies, weil das Volk mit dem Alpenschutzartikel beschlossen hat, die Zahl der Lastwagen durch die Alpen nicht zu erhöhen.

Schweiz würde erpressbar

Aber wenn dereinst in vielleicht fünfzehn Jahren die beiden Doppelröhren ausgebaut wären, dann würde die Schweiz erpressbar, sagt neben Minder auch CVP-Ständerat Konrad Graber aus dem Kanton Luzern. Zusammen mit Vertretern aus der FDP und der GLP haben sie ihr bürgerliches Komitee gegen die zweite Röhre am Gotthard präsentiert.

Auch wenn der jetzige Bundesrat und das heutige Parlament beteuern, der Tunnel bleibe nur einspurig befahrbar, könnte die EU starken Druck auf die Schweiz ausüben, dies zu ändern. Das werde in allen bürgerlichen Parteien befürchtet, sagt Graber: «Das werden selbst SVP-Vertreter nicht wollen, ich habe solche Gespräche bereits verfolgt.»

Allerdings stellt sich die Frage, was die Alternative zur zweiten Röhre wäre: Drei Jahre lang müsste man den gesamten Verkehr per Bahn durch den Gotthard bringen. Dazu bräuchte es Verladestationen in den Kantonen Uri und Tessin. Das wären Stationen, die niemand will und die nachher niemand mehr braucht, gibt Grabers CVP-Kollege Filippo Lombardi zu bedenken.

Jede Sanierung müsste von vorne beginnen

Der Tessiner Ständerat kämpft vehement für die zweite Röhre: «Man muss die Anlagen demontieren, die man gebaut hat, und die Übung in vierzig Jahren von vorne beginnen.» Bei jeder Sanierung des Gotthard-Tunnels müsste ein aufwändiges, teures Prozedere wiederholt werden. Da sei es doch sinnvoll, für wenig mehr Geld gleich eine sichere Lösung zu bauen.

Parteikollege Graber lacht nur, wenn er das hört. Wenn man auch die Unterhaltskosten für diese zweite Röhre über 40 Jahre korrekt mit einrechne, so käme die zweite Röhre zwei bis drei Milliarden teurer als die blosse Sanierung des bestehenden Tunnels. «Das wird dazu führen, dass andere Projekte in den Agglomerationen, sicher auch in meinem Kanton, das Nachsehen haben werden», sagt er.

Das Strassengeld fehlt woanders, so die Befürchtung des bürgerlichen Verkehrspolitikers. Und in den Agglomerationen könne man mit dem gleichen Geld viel mehr bewirken, gerade auch für die Sicherheit auf den Autobahnen.

Labile Anbindung des Tessins?

Das stimme so nicht, erwidert Lombardi, zudem dürfe man das Tessin nicht vergessen, gerade derzeit zeige sich wieder wie labil die Anbindung des Südkantons sei. Die Passroute ist für drei Monate geschlossen und gestern war die Bernardino-Route ebenfalls wegen eines Unfalls gesperrt. «Es passiert rasch, dass zwei von drei Spuren geschlossen sind, und das wollen wir nicht für drei Jahre.»

Die Frage, ob eine zweite Gotthardröhre gebaut werden soll, spaltet die Schweiz nicht nur in rechts und links. Auch innerhalb der bürgerlichen Parteien gehen die Meinungen auseinander. Die Volksabstimmung findet nächstes Jahr statt.

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218 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Die Fakten sind klar: Per Volksabstimmung des „Alpenschutzartikels“ steht seit 1998 in der BV im Art. 84 - Alpenquerender Transitverkehr: GÜTERTRANSITVERKEHR VON GRENZE ZU GRENZE ERFOLGT AUF DER SCHIENE. Inzwischen hat sich der Schienenstrang von 2 (ohne Unterbruch seit 133! Jahren) auf 4 erhöht. 3x hat das Volk gegen eine 2. Röhre gestimmt. Die 3 Haupt-EU-Strassenlobbyisten Lombardi(CVP), Giezendanner(SVP), Amstutz (SVP/ASTAG) haben das den „Europäern/Brüssel" klipp und klar beizubringen!
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  • Kommentar von Erwin Darbrich, Salzburg (A)
    Ich möchte euch lieben Nachbarn gerne mal in Österreich einladen. Fahren wir eine gemüdliche Runde auf die Tauernautobahn von Salzburg nach Villach im Hochsaison. Früher war das die Stauhölle pur, aber seitdem die Tauern und Katschbergtunnel eine 2. Röhre haben fährt man hier sehr entspannt und das Verkehrsaufkommen ist dabei kaum angestiegen. Gleiches jetzt auch für die beliebte Pfändertunnel. Wünsche euch viel Spass im Stau, währenddessen wir in Österreich ohne Staus den Alpen queren können.
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    1. Antwort von Thomas Leu, Adetswil
      Lieber Nachbar, Schön dass Sie mitdenken. Es gibt aber ein paar Unterschiede in Ihrem Vergleich: Der Gotthardtunnel ist mehr als 2.5 x länger als der Tauerntunnel. So kurze Tunnels zählen wir in der Schweiz nicht einmal. Die Österreicher verlangen pro Fahrt einen Preis von € 11. In der Schweiz kann man für Fr. 40 ein Jahr lang so viel fahren wie man will. Hätten wir auch eine Gebühr von 2.5 x € 11 pro Durchfahrt, gäbe das weniger Verkehr und die Sache wäre finanziert. Niemand würde sich aufregen
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  • Kommentar von René Angstmann, Hütten
    VORALLEM FÜR DIEJENIGEN, WELCHE FÜR EINEN EINRÖHRIGEN GOTTHARD-STRASSENTUNNEL SIND, empfehle ich mal unter Wikipedia unter längste Tunnels der Welt nachzulesen: „Trotz seiner Länge und Eintönigkeit kam es kaum je zu nennenswerten Unfällen. Die Hälfte der WENIGEN TÖDLICHEN UNFÄLLE ENTSTANDEN BEI GEGENVERKEHR INFOLGE SPERRUNG DER JEWEILS ANDEREN RÖHRE.“ MAN HÖRE UND STAUNE, ES HANDELT SICH DABEI UM DEN SEELISBERGTUNNEL. Alles klar was zu tun ist beim Sankt Gotthard?
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    1. Antwort von Thomas Leu, Adetswil
      @ René Angstmann: Dann sollen das die Tunnel-Benutzer selber zahlen, und zwar die vollen Kosten. Das wäre dann wenigstens fair. Schliesslich erhalten die Benutzer als Entgelt mindestens 2-3 Std. Zeitersparnis. So machen das die Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener, Österreicher, bald die Deutschen bei den Ausländern, und, und, und... Nur bei uns muss der Steuerzahler blechen. Bei Coop und Migros kann ich mich auch nicht mit einer Pauschale bedienen, sondern muss jedes Stück berappen.
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