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Aufhebung der Wehrpflicht Schlägt bald die letzte Stunde der Wehrpflicht?

Sollen Schweizer Männer auch weiterhin Militärdienst leisten müssen? Über diese Frage stimmt der Souverän am 22. September ab. Während die Kreise, die die Pflicht abschaffen wollen, tiefere Kosten und mehr Freiheit erwarten, sprechen die Gegner von einer «Unsicherheits-Initiative».

Am 22. September stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Initiative «Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht» ab. Die Vorlage stammt aus der Feder der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Sie will die Schweizer Männer von der Pflicht befreien, Wehrdienst zu leisten.

Die Initiative sieht eine Änderung von Artikel 59 der Bundesverfassung vor, der die Dienstpflicht regelt. Neu soll dort stehen «Niemand kann verpflichtet werden, Militärdienst zu leisten». Der Milizgedanke ist bei der Abstimmung kein Thema: Artikel 58 der Bundesverfassung, der diesen festschreibt, soll nicht geändert werden. Würde die Initiative angenommen, erhielte die Schweiz also eine freiwillige Miliz, nicht eine Berufsarmee.

Abschaffung der Armee ist nicht Thema

Die Urheber der Initiative sehen in der Wehrpflicht einen «sinnlosen militärischen Zwang, der die Freiheit junger Männer massiv einschränkt». Zudem zementiere diese ein veraltetes Rollenbild vom wehrhaften Mann und der häuslichen Frau. Und schliesslich, so argumentiert die GSoA, würde dadurch die Armee kleiner und günstiger.

Plakat der Befürworter der Initiative zur Aufhebung der Wehrpflicht.
Legende: Die Befürworter sehen in der Wehrpflicht eine Zeitverschwendung. pd

Um eine Abschaffung der Armee gehe es bei dieser Vorlage nicht, sagt die GSoA. Man wolle mit der Abschaffung der Wehrpflicht lediglich einen Schritt nachvollziehen, den andere Staaten bereits nach dem Ende des Kalten Kriegs getätigt haben, sagt Evi Allemann. Die Berner SP-Nationalrätin ist Mitglied des Initiativkomitees.

Das Komitee fokussiert seine Kampagne auf das Argument der (volkswirtschaftlichen) Kosten: «Nicht alle Zeit, Krieg zu spielen», steht auf dem Plakat. Zu sehen ist ein Mann in Uniform, der mit Kriegsspielzeug hantiert.

Hinter der Abschaffung der Wehrpflicht stehen vor allem linke Kreise. Von den grossen Parteien empfehlen die SP und die Grünen ein Ja. Ebenfalls für ein Ja stehen einzelne Jungfreisinnige ein, die sich in einem bürgerlichen Unterstützungskomitee zusammengeschlossen haben. Rückendeckung erhält die Initiative zudem von verschiedenen Verbänden, die sich für Frieden und Gewaltlosigkeit engagieren.

Die Gegner sehen Sicherheit in Gefahr

Auf der Gegenseite stehen die bürgerlichen Parteien und eine Vielzahl Verbände, etliche davon mit militärischem Hintergrund. Sie machen mit dem Slogan «Nein zur Unsicherheits-Initiative» mobil gegen die Vorlage.

Plakat der Gegner der Initiative zur Aufhebung der Wehrpflicht.
Legende: Die Vorlage der GSoA schwäche die Schweiz, argumentieren die Gegner der Vorlage. pd

Die Argumentation der Gegner: Die Initiative führe zu Unsicherheit, «weil eine ‹freiwillige Milizarmee› eine Illusion» sei und damit ein Schweizer Erfolgsmodell zerstört werde. Würde die Initiative angenommen, sei die Sicherheit von Land und Bevölkerung nicht mehr gewährleistet. Das Plakat der Gegner zeigt ein Messer mit der Aufschrift «GSoA», dass das Schweizer Kreuz in Stücke schneidet.

Die Initiativ-Gegner befürchten zudem, dass sich für eine freiwillige Miliz nicht genug Dienstwillige finden. Sie sehen den Mindestbestand der Armee in Gefahr: «Ohne Wehrpflicht sind wir nicht mehr in der Lage, den Verfassungsauftrag zu erfüllen», sagte Jakob Büchler zur «Aargauer Zeitung». Der St. Galler Nationalrat ist bei der CVP für das Sicherheitsdossier zuständig.

Ein Nein zur Initiative empfehlen allen voran Bundesrat und Parlament. Von den nationalen Parteien empfehlen SVP, CVP, EVP, FDP, GLP sowie EDU die Vorlage zur Ablehnung. Noch keine Parole gefasst haben bis zum 25.08.2013 die BDP. Ebenfalls für ein Nein plädieren – nebst anderen – die Offiziersgesellschaft, der Verein für eine sichere Schweiz, Economiesuisse und der Gewerbeverband.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Roman Bachmair, Hohtenn Wallis
    Man schaue sich einmal die Leute in der GSoA an: Keiner dabei aus ländlichen, währschaften Regionen (z.B. Oberwallis), wo man halt noch das Arbeiten gewohnt ist und man für die Schweiz und ihrer Fahne sowie die Armee einsteht! Ein Eishockey-Trainer hat es mal so richtig auf den Punkt gebracht: Mit gewissen Regionen kann man halt keinen guten Eishockey spielen..., das sagt ja wohl genug. Hoffentlich schafft sich die GSoA nach der Abstimmung gleich selber ab, die wohl nutzloseste Gruppe überhaupt
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  • Kommentar von Daniel Neuhaus, Rheinfelden
    Die Wehrpflicht ist ein Angriff auf die Würde und Selbstbestimmung der Männer. Sie diskriminiert diese gegenüber Frauen und Nicht-Schweizern. Wer Sicherheit will soll gefälligst einen guten Preis dafür bezahlen und nicht männliche Sklaven zum Dienst pressen. Übrigens wurde in einigen Kantonen früher das Stimmrecht an die Erfüllung der Wehrpflicht geknüpft. Die Wehrpflicht ist abgrundtief ungerecht und menschenverachtend.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Solche Abstimmungen, die von der GSoA angeführt wurden, kosten dem Steuerzahler immer jede Menge Geld und die GSoA hatte noch nie etwas zustande gebracht. Ich finde, die GSoA nervt mit ihren monatlichen erfolgslosen Versuchen, die Armee abschaffen zu wollen. Die links-chaotische GSoA sollte die Kosten hierfür übernehmen und nicht der Steuerzahler, der nach wie vor zur Armee steht.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Ich teile Ihre Einschätzung der GSoA vollumfänglich. Nur die Armee wird laufend Stück für Stück abgeschafft in einer Art und Weise, wie es die GSoA selbst wirklich nie hingekriegt hätte. - Dennoch glaube ich, dass es Zeit ist die Wehrpflicht zu sistieren. Wir brauchen eine "glaubwürdige" Armee, keine "helvetische Trachtengruppe-Show". Die mentale Einstellung der (aller) Soldaten ist auch wesentlich, da stimmt es heute eben auch nicht mehr.
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