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KOF-Chef zum Energiemarkt «Wenn es Verlierer gibt, dann sind es die kleinen Firmen»

Zwei Monate vor der Abstimmung über die Energiestrategie 2050 zeigt eine Umfrage von SRF und der Konjunkturforschungsstelle KOF: Ökonomen wollen mehr Staatseingriffe in den Energiemarkt. KOF-Chef Jan-Egbert Sturm über die Diskrepanz in der Wirtschaft und die Gewinner und Verlierer von Eingriffen.

Legende: Video «Es ist illusorisch zu glauben, wir könnten die Grenzen schliessen.» abspielen. Laufzeit 3:08 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.03.2017.

SRF: Herr Sturm, über 60 Prozent der befragten Ökonomen fordern stärkere Eingriffe in den Energiemarkt. Hat Sie das überrascht?

Jan-Egbert Sturm: Ich habe tatsächlich ein etwas ausgewogeneres Bild erwartet. Wir wissen, dass im Energiesektor der Markt nicht ganz so funktioniert, wie man es gerne hätte. Es gibt oft Monopole und unterschiedliche Interessensvertreter. Daher ist ein gewisses Eingreifen oder zumindest eine gewisse Form der Regulierung seitens des Staates so oder so notwendig.

Ökonomen wollen sonst eher weniger Staat und mehr Markt. Welche Staatseingriffe sind denn nicht problematisch?

Die Ökonomen dieser Umfrage sind eindeutig der Ansicht, dass wenn man schon eingreift, dann am liebsten über die steuerliche Seite. Dass man also weniger über Subventionen oder Regulierungen arbeitet.

Was bedeuten solche steuerlichen Anreize konkret?

Beispielsweise würde beim Energieverbrauch eine zusätzliche Steuer generiert. Die würde den Anreiz, Energie zu konsumieren, reduzieren. Oder umgekehrt: Wenn Firmen mehr Energie produzieren, könnten sie steuerlich entlastet werden.

58 Prozent der befragten Ökonomen sagten, es sei egal oder unwichtig, ob die Energie in der Schweiz produziert oder ob sie aus dem Ausland importiert würde. Man hört aber immer wieder das Argument, die Schweiz müsse sich selber versorgen können.

Wir sind sowieso eine sehr offene Wirtschaft. Es ist illusorisch zu glauben, man könne die Grenzen einfach schliessen und trotzdem vernünftig weiterleben. Das ist unrealistisch. Wenn Sie schauen, was wir täglich im Supermarkt einkaufen, dann sehen Sie, dass sehr viele Produkte nicht aus der Schweiz kommen. Energie ist eben auch ein solches Produkt. Es wird teilweise in der Schweiz produziert, aber auch teilweise aus dem Ausland importiert.

Die Vorlage zum neuen Energiegesetz ist sehr umstritten und spaltet die Wirtschafsverbände. Woher kommt diese Diskrepanz?

Bei jeder Änderung in der Politik gibt es Gewinner und Verlierer. Es ist klar, dass die Verlierer auf eine und die Gewinner auf die andere Art und Weise argumentieren. Wir als Ökonomen versuchen, den gesamtwirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund zu rücken. Und da sind die Meinungen relativ deutlich.

Wer wären die Verlierer bei dieser Vorlage?

Wir sehen zum Beispiel, dass die Konsequenzen von staatlichen Massnahmen die Wettbewerbsfähigkeit grösserer Firmen höchstwahrscheinlich nicht wirklich tangieren. Wenn es Verlierer gibt, dann wären das vermutlich eher die kleineren Firmen. Dass gewisse Wirtschaftsverbände, die diese kleinen Firmen repräsentieren, versuchen, dagegen zu halten, ist deshalb verständlich.

Das Interview führte Andreas Kohli.

Jan-Egbert Sturm

Jan-Egbert Sturm
Legende: Keystone

Der 47jährige ist Wirtschaftsprofessor und Direktor der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich.

Umfrage Energiestrategie 2050

Zum zweiten Mal hat die SRF Wirtschaftsredaktion zusammen mit der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich eine Umfrage unter Ökonomen durchgeführt. Dieses Mal stand die Schweizer Energiepolitik im Fokus. Rund 100 der gut 400 Ökonomen aus Forschung und Lehre in der Schweiz haben die Fragen beantwortet. Mehr zur Studie finden Sie hier.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von nathalie wernz (Frau Wer)
    Da haben sie wohl die 'falschen' Kleinen befragt - seh ich als 'Mirkrounternehmerin' ganz anders und meine durchaus auch im Namen vieler 'Freiberufler' sagen zu können; ob jetzt hier in der Energiefrage oder in Sachen Geldpolitik oder Steuergerechtigkeit.. der 'freie Markt' begünstigt 'Monokultur', Eigennutz, Umweltzerstörung und Grössenwahn - nicht die Zukunft, die ich mir wünsche..eine Wirtschaft FÜR Mensch-Tier-Natur und nicht umgekehrt!!!
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Sie haben es gut formuliert und sehe es auch so - Darum bin ich gegen diese grössenwahnsinnige EU die genau für diese irre Wachstumspolitik und Gleichmacherei sich einsetzt. Wir müssen die 1 bis max. 30 Leute Firmen schützen und stützen -denn sie sind die vielen Goldstücke in der CH -Wirtschaft, die neue Wege aufzeigen wie es auch noch gehen kann und soll .
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Wenn die Kleinen angeblich verlieren, warum ist dann ausgerechnet der Gewerbeverband dafür?
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wir haben in der Schweiz ein grosses Problem. Bei den KMU (kleine und mittlere Unternehmen) gibt es einen so grossen Grössenunterschied, dass kein gerechter Schutz für die Kleinen möglich ist, denn die mittleren Unternehmen sind so gross dass diese niemals den gleichen Schutz erhalten dürfen wie die kleinen Unternehmen. Es wäre an der Zeit, dass diese Unternehmensgruppe getrennt werden. Dann gäbe es kleine, mittlere und grosse Unternehmen (z.V. Konzerne) und die kleinen könnten geschützt werden.
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    1. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Habe mir tatsächlich schon überlegt einen solchen, neuen, am Gemeinwohl orientierten 'Interessenverband des Kleingewerbes' zu gründen ;) (scheue aber die Öffendlichkeit - mehr der Typ 'schaffen im stillen Kämmerlein'.. also wenn wer in diese Richtung..+ eine Frau im Hintergrund sucht..;)
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