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Gold-Initiative Die SNB kritisiert – und lüftet ein Geheimnis

Erstmals äussert sich die Nationalbank zur Gold-Initiative der SVP. Diese würde sich zum «Nachteil der Schweiz» auswirken, sagt Präsident Thomas Jordan. Mit seiner Kritik an die Politik begibt er sich auf eine heikle Gratwanderung. Ausserdem: Erstmals macht die SNB publik, wo das Schweizer Gold ist.

Legende: Video Schweizerische Nationalbank lüftet Goldgeheimnis abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.04.2013.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) äussert sich üblicherweise nicht zu politischen Vorgängen. Anders an der heutigen Generalversammlung der SNB-Aktionäre. Nationalbankpräsident Thomas Jordan kritisierte dort die SVP-Initiative zu den Goldreserven der SNB scharf.

Diese Massnahmen würden die Erfüllung des geldpolitischen Auftrags der Nationalbank massgeblich erschweren und sich zum Nachteil der Schweiz auswirken, sagte Jordan in seiner Rede. Und: Sie würden «die geldpolitische Handlungsfähigkeit der Nationalbank auf eine Weise einschränken, die den angestrebten Zielen zuwiderläuft.»

Der SNB-Präsident erklärte weiter: «Wir erachten es als unsere Aufgabe, schon früh auf die gravierenden Nachteile dieser Initiative hinzuweisen.»

Die von den Initianten genannten Ziele wie die Sicherung der Währungs- und Preisstabilität und die Sicherung der Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit der Nationalbank würden geteilt, so Jordan. Doch die vorgeschlagenen Massnahmen seien dazu nicht geeignet, ja sie seien sogar kontraproduktiv.

Mindestkurs nicht mehr möglich

Laut Jordan würden die Massnahmen die geldpolitische Handlungsfähigkeit der SNB auf eine Weise einschränken, die den angestrebten Zielen zuwiderlaufe. Würde die Initiative angenommen, müsste die Nationalbank beispielsweise in der gegenwärtigen Situation umfangreiche Goldkäufe tätigen, um den geforderten Goldanteil in der Bilanz von mindestens 20 Prozent zu erreichen.

Dieses Gold dürfte später dann nicht wieder verkauft werden, auch dann nicht, wenn die Nationalbank ihre Bilanz wieder verkürzen müsste, um die Preisstabilität aufrechtzuerhalten. Im Extremfall würde die Aktivseite der Bilanz der Nationalbank mit der Zeit weitgehend aus unverkäuflichem Gold bestehen, warnte Jordan.

Entscheidungen über die Einführung des Mindestkurses oder die Rettung der UBS wären unter solchen Bedingungen wohl kaum so getroffen worden, meinte Jordan. «Diese Einschränkung der Handlungsfähigkeit wäre nicht im Interesse der Schweiz.»

«Heikle Gratwanderung der SNB»

«Eigentlich gibt es eine strikte Arbeitsteilung zwischen Politik und der SNB», sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Barbara Widmer. Die Politik lasse die SNB unabhängig schalten und walten, so Widmer weiter.

«Sie soll einfach ihren Auftrag erfüllen können und für stabile Preise sorgen. Das bedingt manchmal auch die Ergreifung schmerzhafter Massnahmen wie Zinserhöhungen», so die Wirtschaftsredaktorin. Da habe jeweils auch niemand Freude daran.

«Auf der anderen Seite äussert sich aber auch die Nationalbank nicht, zu dem, was die Politik so treibt», sagt Widmer. «Bei dieser Gold-Initiative ritzt die SNB aber dieses Prinzip und begibt sich so auf eine heikle Gratwanderung.»

Unverkäufliche Goldreserven

Die SVP-Initiative «Rettet unser Schweizer Gold» verlangt, dass die Nationalbank mindestens 20 % ihrer Aktiven in Gold halten muss, die Goldreserven unverkäuflich sind und die gesamten Goldreserven in der Schweiz zu lagern sind. 105'277 Menschen haben nach Angaben des Komitees die Initiative unterschrieben.

Legende: Video SNB-Chef Jordan zur Gold-Initiative abspielen. Laufzeit 2:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.04.2013.

Wo liegt das Schweizer Gold?

Wo liegt das Schweizer Gold?

Die SNB hat erstmals bekannt gegeben, in welchen Ländern sie ihre Goldreserven lagert. 70% der insgesamt 1040 Tonnen Nationalbank-Gold liegen gemäss Aussagen von SNB-Präsident Thomas Jordan in der Schweiz. Weitere 20% würden bei der Zentralbank von England gelagert und rund 10% bei der kanadischen Zentralbank.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Also wenn die nicht mehr wissen wohin mit dem Gold. - Einen Keller hätte ich auch noch. Und ein paar Tonnen würde ich auch noch nehmen. (smile)
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  • Kommentar von Gabi Bossert, 5745 Safenwil
    Es hagelt geradezu SVP Initiativen. Es stellt sich dabei vermehrt die Frage, WAS langfristig wirklich sinnvoll ist umzusetzen. Vor Allem leben wir nicht alleine auf dieser Erde und müssen in jedem Handeln den globalen Überblick behalten. Das ausschliesslich nationale Wunschdenken, wird uns bitter schaden können. Die SNB leistet gute Arbeit und weiss, welchen Bewegungsradius sie benötigt, falls Engpässe es notwendig machen. Gut, hat sich die SNB offiziell erklärt, WAS wieder einmal nötig ist.
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    1. Antwort von A. Planta, Chur
      Die SVP-Granden wollen eine rechtskonservative Schweiz. Um dies zu erreichen müssen möglichst viele Institutionen schlechtgemacht werden.
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    2. Antwort von Gabi Bossert, Safenwil
      JA, @A.Planta, so erlebe ich es eben auch. Und langsam macht mir die Bewegung auch Angst, während unser Grossteil der Bevölkerung wieder vermehrt an diese willkürliche, Beliebigkeitsorientierte Führung glaubt und blanko unterschreibt. Das macht Sorge. Fast schon religiöse Züge hat das ganze Getriebe für mich.
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    3. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      @A. Planta: Bemerkenswert, wieviel Unsinn und Widerspruch Sie in nichtmal ganze zwei Zeilen verpacken. In der SVP ist mir noch nie einer begegnet der "Granden" heisst und auch eine Funktion mit diesem Titel ist mir nicht bekannt. Ebensowenig will jemand in der SVP eine rechtskonservative Schweiz und daher macht sich, im Gegensatz zu Ihnen, auch keiner Gedanken darüber, ob man Institutionen schlechtmachen müsste, um dies zu erreichen.
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    4. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      G.Bossert 12.57,Globalisierung ist widernatürlich.Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten,totaler Vernetzung,Gleichmachung in jeder Beziehung, entfernen wir uns immer weiter voneinander,verfangen uns in einer wirren Unendlichkeit.Dabei wird jegliche Individualität vernichtet.Der Versuch zusammenzuschmieden,was nicht zusammengehört,funktioniert nicht,schon gar nicht in solchem Tempo.Man kann den Griechen nicht zum Deutschen machen.Globale Probleme löst die Natur lokal über lange, lange Zeit.
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    5. Antwort von A. Planta, Chur
      @T.Hofer, Rosshäusern: SVP-Granden heisst auf Deutsch Hohe SVP-Mitglieder. (solte eigentlich bei einem durchschnittlichen Bildungsstand bekannt sein.) Und wer glaubt die SVP verfolge einen gemässigten politischen Kurs ist entweder nicht orientiert oder auf beiden Augen blind.
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  • Kommentar von M.Hofer, Zürich
    Was ich nicht begreife ist,wie die Nationalbank als Aktiengesellschaft funktioniert.Wer definiert letztendlich die anvisierten Ziele,wenn sich die Politik des Landes Schweiz und die Geldpolitik der Nationalbank nicht gegenseitig dreinreden dürfen.Wessen Interessen werden gewahrt,wenn die Geldmengen/Devisen und Zinspolitik wesentlich von den Entscheiden der SNB abhängen?Wie lässt sich dies im Sinne der gesamt-politischen Sichtweise vereinbaren?
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    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      In den USA beispielsweise gehört die Fed vollumfänglich privaten Bankiers (Rothschild, Rockefeller, Mellon etc.), ob es in der CH auch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis, könnte es mir aber gut vorstellen. Hier wäre vielleicht auch etwas mehr investigativer Journalismus von Seiten SRF gefragt...
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    2. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      @Alois Wutz: Wer alles an der SNB beteiligt ist kann ich Ihnen auch nicht grad so aus dem Ärmel schütteln. Dürfte auch schwer zu überblicken sein, wie das halt bei Puplikumsgesellschaften so ist. Kaufen Sie sich doch einfach an der Börse in Zürich ein paar der Aktien (Symbol: SNBN / Valor: 131926), so wissen Sie zumindest zu welchem Teil die Nationalbank Ihnen und damit sicher nicht einem mysteriösen bösen Reichen gehört...
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    3. Antwort von Fabian Müller, Zürich
      Aktionäre sind zu 2/3 öffentliche Instututionen (vorwiegend die Kantone) und nur 1/3 sind im privaten Besitz. Ausser an der GV teilzunehmen, haben die Aktionäre keine Mitbestimmungsrechte. Der Bundesrat wählt den Bankrat alle 4 Jahre. Für weitere Informationen einfach einmal "googeln", das Konstrukt der SNB ist transparent und es braucht hier defintiv keinen "investigativen Journalismus".
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